Unterrichtsalltag? Unterrichtsalltag.

Das Unterrichten in der Grundschule ist eine schöne Sache.
Nun, meistens zumindest.
Ich möchte einen Einblick geben, was in so einer ganz normalen Grundschulunterrichtsstunde abgeht.
Vielleicht versteht dann der ein oder andere, dass Lehrerinnen mittags etwas zerrupft aussehen und sich herunterfahren müssen.

Die Vermittlung von Lerninhalten
Da geht es schon los.
Zum einen habe ich die Stunde vorbereitet, habe hier also einen roten Faden im Kopf, habe ein Ziel vor Augen, muss wissen, welche Materialien ich benötige, welche Sozialformen ich einsetze.
Der orangene Faden muss aber auch gehalten werden: Ich muss nicht nur die Lerngruppe als Ganzes, sondern auch das einzelne Kind im Blick behalten: Versteht es das, was es zu tun hat? Hat es das passende Werkzeug, das passende Vorwissen?
Ist der Unterricht eher frontal geplant, muss ich wissen, wer wo welches Differenzierungsangebot erhält (dabei muss ich die Schüler mit Lernschwierigkeiten fördern, die mit besonderen Stärken fordern).
Ist der Unterricht offener angelegt, muss ich im Blick haben, wo das einzelne Kind steht und ihm Lernbegleiter sein, es anstupsen und auch hier wieder angemessen fördern und fordern.

Das Arbeitsverhalten
Nun gesellt sich ein gelber Faden hinzu: Arbeiten sie auch alle? Sind sie auf dem Weg zum anvisierten Lernziel?
Wenn nein: Warum? Steht ein Kind vor einer Hürde, bewältigt es etwas nicht allein? Kann ein Kind sich nicht konzentrieren (und damit sind nicht nur diagnostizierte ADHS-Kinder gemeint, jeder hat mal keine Lust, andere Dinge im Kopf, kränkelt oder hat einfach einen schlechten Tag) und warum kann es das nicht und was braucht es?
Sind Kinder durch das Verhalten anderer gestört? Was genau stört? Wie kann ich dem Abhilfe schaffen?

Das emotional-soziale Verhalten
Ein grüner Faden kommt hinzu.
Kinder tragen erlebte Dinge aus der Pause, von zu Hause, aus anderen Stunden mit sich herum. Sie haben Befindlichkeiten und es gehört zu meinem Beruf, diese Befindlichkeiten zumindest wahrzunehmen und dem Kind dies zu signalisieren.
Grundschulkinder, vor allem die jüngeren im ersten- und zweiten Schuljahr, brauchen eine Beziehung um zu lernen, die Beziehungsebene muss stimmen. Sie müssen andocken, angelächelt werden, zustimmendes Nicken, Lob oder auch mal Beifall erhalten.
Da wäre aber auch noch der blaue Faden.
Diese Befindlichkeiten gelten für Grüppchen und für die ganze Lerngruppe ebenso. Ist die Klasse unruhig, weil in der Pause ein Kind stark geblutet hat, weil es seit Tagen regnet oder einfach weil Weihnachten vor der Tür steht, muss ich darauf reagieren. Ich reagiere, indem ich versuche, die Situation einzuschätzen und zu entscheiden: Was brauchen sie jetzt? Eine Bewegungspause, eine Entspannungsübung, eine kooperative Übung, etwas zum Versinken, ein Liedchen…?

Ich
Ein lila Faden fügt sich auch noch hinzu. Meine Verfassung ist für die obigen Bereiche nicht unwichtig. Hatte ich in der Pause eine anstrengende Dienstbesprechung oder eine Pausenaufsicht mit extrem vielen Streitereien, gehe ich anders in den Unterricht als wenn ich meinen Kaffee getrunken und mit Kolleginnen in Ruhe gesprochen habe. Habe ich einen sechs-Stunden-Tag mit anschließender Hausaufgabenbetreuung, bin ich in der zweiten Stunde schon anders drauf als wenn ich erst zur zweiten Stunde mit meinem Unterrichtstag beginne und nach der fünften Stunde Schulschluss habe.
Ich bin erwachsen, ich bin Profi, ich muss mich regulieren können. Aber das schaffe ich nicht immer. Meine Aufgabe ist, das wahrzunehmen und zu reagieren und wenn es nur das Liedchen ist, das ich mit den Kindern singe und das mir hilft, den Stresslevel zu reduzieren.

So eine Unterrichtsstunde besteht also nicht nur aus dem berühmten roten Faden, sondern sie stellt ein buntes Band dar, das ich so in der Vorbereitung noch gar nicht sehen konnte.
Dieses Band flicht sich während der Stunde.
Mal leuchtet das Rot dominant, mal verschwindet das Rot vor lauter grün.
Mal bringt das Orange das Rot durcheinander, mal wirft das Gelb alles über den Haufen.
Mal fransen gelb, grün und blau meinen lila Faden komplett aus und ich muss ihn mittags mühsam wieder zusammensetzen.

Das ist das Leben, das ist menschlich.
Das ist anstrengend an meinem Beruf,
das ist wunderschön an meinem bunten Beruf.

Liebster Award

Die Gedönserei ist ja sozusagen ein Neugeborenen-Blog, vieles läuft noch nicht so, wie es soll (meine technischen Fähigkeiten sind da sehr begrenzt) und viele Beiträge gibt es auch noch nicht zu lesen, von einem Profil kann schon einmal gar nicht die Rede sein….

Da freut es mich umso mehr, dass die liebe Emma vom http://derkleinegemischtwarenladen  mich für den Liebster Award nominiert hat. Ich mache gerne mit!

 

1. Butter oder Margarine?
Butter, weil die leckerer ist. Leider ist sie ungesund und zu fettig in größeren Mengen und ich ersetze sie wo möglich aus Vernunftgründen. Ich bin so jemand, der gern Erdbeermarmelade unter dem Käse hat – auf dem Brot – also zwischen Brot und Käse…ihr wisst schon.

2. Bier oder Wein?
Ganz eindeutig Wein.
Am liebsten einen trocken-fruchtig-schweren Rotwein.

3. Was würdest Du machen, wenn Du einen ganzen Tag Zeit für Dich alleine hättest?
Viel lesen. Lange Klavier spielen. Genüsslich mit Buch oder Twitter neben mir ungesunde Sachen essen – z.B. Marzipan-Nuss-Sahne-Torte.

4. Wem würdest Du wirklich gerne mal so richtig die Meinung sagen, ohne dass es Konsequenzen hätte?
Einem Elternpaar, das sich nicht helfen lassen will bzw. kann. Es ist schwer, das Wissen auszuhalten, dass ein Kind später sicher mit Depressionen zu kämpfen hat und ich kann nichts tun.

5. Magst Du Tiere? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?
Ich mag viele Tiere. Katzen, weil sie kuschelig sind und ihren eigenen Kopf haben. Hunde, weil sie ehrlich und zugewandt sind. Pinguine, weil sie possierlich sind. Pferde, weil sie so etwas elegantes haben….
Mit Spinnen habe ich ein ziemliches Problem, je größer und je plötzlicher sie auftauchen, desto schlimmer. Wespen machen mir Angst.

6. Was vermisst Du am meisten in Deinem Leben?
Im Moment eigentlich gar nichts, es ist alles gut so, wie es ist.

7. Würdest Du gerne nochmal von vorne anfangen?
Um Himmels willen!

8. Würdest Du gerne spoilern können, wie Dein Leben weitergeht?
Negative Dinge würde ich nicht wissen wollen, weil ich dann ängstlich darauf hin lebe.
Positive Dinge würde ich vielleicht wissen wollen, hätte dann aber Angst, dass es doch nicht so kommt.
Also eher: Nein.

9. Was machst Du, wenn Dich jemand menschlich sehr enttäuscht hat?
Mich erst einmal ins Schneckenhaus zurückziehen und nachdenken. Auch darüber, wo mein Anteil an der ganzen Sache liegt.

10. Was würdest Du gerne in Deinem Leben ändern, weißt aber nicht wie?
Ich würde mich gern gesünder ernähren, weiß auch theoretisch, wie das geht und liefere mir trotzdem jeden Tag Kämpfe mit meinem inneren Zwischenmahlzeits-Schokoladen-Schweinehund.

11. Wenn jetzt eine gute Fee käme: Welche drei Wünsche würdest Du äußern?
1) Ich möchte mich so weiter entwickeln, wie ich mich bisher entwickelt habe. Durch Täler, die auf neue Berge führen, das gehört irgendwie zu mir.
2) Ich möchte meine Familie von größeren Katastrophen und Krankheiten verschont sehen.
3) Ich möchte, dass die Menschheit sich dem Weltfrieden und dem Schutz unseres Planeten frontal zuwendet und aktiv anfängt, darauf hin zu arbeiten.

 

Meine Fragen:
1. Die Berge oder das Meer?
2. Wenn du für ein Jahr in einer Metropole leben solltest, welche wäre es und warum?
3. An welches tolle Urlaubserlebnis aus deiner Kinderzeit erinnerst du dich?
4. Mit welchem Musiker/Schauspieler/Autor…(im Geiste hier die weiblichen Formen einfügen) möchtest du mal einen Abend bei einem Gläschen Wein verbringen?
5. Dein Traumauto wäre ein….. Warum?
6. Hast du dein Lieblingskuscheltier aus Kinderzeiten noch? Was ist es und wie heißt es?
7. Würdest du eine Butterfahrt organisieren, wohin ginge es und was würdest du verkaufen?
8. Könntest du einen Tag in die Protagonistin (auch hier die männliche Form und so…) eines Buches schlüpfen und alles miterleben – wer aus welchem Buch wäre das?
9. Dieser Geruch löst ein entspannt-seliges Lächeln in dir aus….
10. coffeefee-typisch: Dein Liebingsgebäck (Kuchen, Torte, Keks…) ist…

 

Ich kenne noch nicht so viele Blogs und nominiere deswegen Blogs von Twitter-Verfolgten, deren Antworten ich gerne lesen würde.
Mitmachen ist selbstverständlich freiwillig, würde mich aber erfreuen.
Magst du,

https://fraurebis.wordpress.com/
https://gedankenspalt.wordpress.com/
https://amazonasknallerbse1.wordpress.com/
https://liniert-kariert.de/
https://deremil.wordpress.com/
@Kellu73 (Du hast doch einen Blog, oder?)
?

 

 

nicht-gedicht

leider kann ich nicht dichten.
könnte ich es, ich dichtete ein sommergedicht.
ein sommergedicht, das die stimmung warmer sonnentage einfängt.
sonnentage ohne alltagswolken.
sonnentage, an denen himmelsblau und naturgrün sich zu wohligen bildern vereinen.
sonnentage, die von den klängen des vielstimmigen vogelchores ummalt werden.
sonnentage, die sich leicht-locker-luftig anfühlen.
sonnentage, an denen die haut und die seele gewärmt werden.
sonnentage, die ein lächeln in die nacht tragen.
sonnentage, die man sich in kalt-dunklen winternächten herbeisehnt.
sonnentage, an die man in kalt-dunklen winternächten denken wird. leider kann ich nicht dichten.
ich dichte kein sommergedicht.
ich genieße den sonnentag.

Gefühlskater

 

 

Dieser Begriff schlich mir in die Gedanken, schwer und tropfend schlich er sich ein.

Die Zeit zuvor hatte ich auf einer Gefühlswelle zugebracht. Diese Welle nahm mich mit, Zeit zum Durchatmen blieb keine.

Da gab es Anlässe zum Feiern, die Fragen und aufwühlende Gedanken mit sich führten.
Wie lange werden wir noch mit dieser Person feiern können?
Wie wird die nächste Feier mit dieser Person sich gestalten?
Wo wird der Weg diesen jungen Menschen hinführen?
In diesen Fragen bekam ich das eigene Voranschreiten auf den Wegen des Lebens vor Augen geführt.
Eine neue Situation in der Herkunftsfamilie, die ihre eigenen Wege des Umgangs fordert – Wege, die noch nicht beschritten sind und Neuland für alle darstellen.

Schließlich dann aufwühlende Tage im Kollegium, eine Situation, die Gefühlswellen unterschiedlicher Art hochpeitschte.
Mein Wunsch, diesen Wellen angemessen-kollegial zu begegnen und doch selber auch meine Fassungslosigkeit und Enttäuschung wahrzunehmen und meinen Gefühlen Ausdruck geben zu können.

Diese Wellen überrollten mich nicht, aber sie nahmen mich mit, unweigerlich und in ihrer eigenen Dynamik.
Ich nahm meine so verschiedenen intensiven Gefühle deutlich wahr, kommunizierte sie, ließ sie zu und wusste, es werden bald schon ausgeglichenere Zeiten kommen.

Die Welle ebbte ab, beruhigte sich zu einem angenehmen Plätschern.
Zurück blieb dieser Gefühlskater, der mich auf der Schulter sitzend begleitete.
Er machte mich dumpf und müde, gefühlsmüde. Ermattet schaute ich mir selbst beim Durchschreiten des Tages zu, wusste aber: Morgen wird es besser, die hohen Wellen sind einem schönen, überschaubaren Wellengang gewichen.

Vorerst zumindest.

Weitere Gefühlswellen werden kommen, manchmal schier endlos aneinandergereiht.
Weitere Gefühlskater werden kommen und mich die Welt für eine kurze Zeit wie durch Watte betrachten lassen.

Das ist gut so, denn ein Leben ohne Gefühle wäre kein Leben.

 

 

Schulreife – Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist das der Schulreife.
Im Grunde ist das wohl inzwischen ein Begriff, der weg kann, es müssen halt alle, die in einem gewissen Zeitraum geboren wurden, zur Schule.
Punkt.

Ihr könnt es Euch denken: Ich finde das nicht gut.
Früher, ja früher in meinen ersten Jahren als Lehrerin, da lag der Stichtag viel früher im Jahr und es gab einen Schulkindergarten.
Kinder, die zwar das Alter für den Schulbesuch hatten, aus irgendeinem Grunde aber als noch nicht „reif“ für Schule galten, besuchten den ein Jahr lang. Eine kleinere Lerngruppe, die von einer Sozialpädagogin (natürlich meine ich hier auch den Sozialpädagogen) betreut wurde, ließ die Basis für den Schulbesuch nachreifen. Die Motorik, die Selbstwahrnehmung – emotional und körperlich, die ganzen Wahrnehmungsbereiche, die für das Lernen wichtig sind, die Frustrationstoleranz. Ganz nebenbei gingen die Kinder schon zur Schule und teilten die Pausen mit den Schulkindern. Sie wuchsen langsam heran und herein in Schule. In den allermeisten Fällen verlief der Start im ersten Schuljahr dann auch gut bis problemlos.

Dann wurden die Schulkindergärten abgeschafft, die Stunden der Sozialpädagogen auf die Schulen verteilt und sukzessive der Stichtag zum Ende des Monats September verschoben.
Herzlichen Glückwunsch! Bildungspolitisch ein ganz großes Eigentor und ein rücksichtsloser Frevel gegenüber allen Kindern, die sonst den Schulkindergartenkinder gewesen wären.

Jetzt werden diese Kinder eingeschult, sind unsicher, haben womöglich schon ein schlechtes Selbstkonzept, wollen und sollen im Ablauf der ersten Klasse funktionieren und sind doch zumindest in einem Bereich komplett überfordert.
Die Sozialpädagogen sind ein- bis zwei Schulstunden pro Woche mit in der Klasse – haben dann aber auch die anderen Kinder im Blick, die in irgendeiner Weise Unterstützung brauchen. Mit etwas Glück haben die Kinder ein- bis zwei weitere Stunden pro Woche Kleingruppenförderung bei der Sozialpädagogin.
*Ironieschalter an* Das wiegt natürlich den Schulkindergarten und eine spätere Einschulung voll auf. *Ironieschalter aus*

Der gewollte Weg ist das Verbleiben in der Schuleingangsphase für ein weiteres Jahr. Will heißen: Das Kind geht irgendwann im Laufe des zweiten Schuljahres in das erste Schuljahr zurück, bzw. es wiederholt das zweite Schuljahr komplett.
Dann ist das Kind mit seinem Selbstkonzept als Lerner aber schon mit ziemlich lautem Plumps in den Brunnen gefallen und die Eltern womöglich gleich mit.

Warum?
Warum ist das Wohl der Kinder und Familien so unwichtig?
Warum lässt man einen Teil der Kinder sehenden Auges ins Unglück rennen?
Warum gibt man Kindern nicht ihre Zeit zu reifen?

Mit diesen Fragen bleibe ich zurück, bleiben Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen zurück und müssen sich der Aufgabe stellen und versuchen, gemeinsam zum Wohle des Kindes das Beste daraus zu machen.