Rechtschreibung

Du liebst dein Kind über alles.
Du möchtest, dass dein Kind glücklich und selbstbewusst ist.
Du möchtest, dass das Kind Zutrauen in seine Fähigkeiten hat.

Wenn dein Kind die ersten zaghaften Schritte wagt, freust du dich.
Du lobst dein Kind unterstützt es in seinen Übungen.
Wenn es anfangs über seine Füße stolpert, ist das nicht schlimm für dich, du weißt ja, dass es mit steter Übung sicherer wird und sich Fehler im Bewegungsablauf nicht festsetzen, sondern mit der intrinsisch motivierten Übungen verschwinden.
Diese deine Überzeugung überträgt sich auf dein Kind.
Das weißt du, niemals würdest du bei diesen zaghaften Schritten schon die Teilnahme für den nächsten Marathon in zwei Wochen ausfüllen.

Wenn dein Kind ein Instrument erlernt, freust du dich über jeden Ton, jede kleine Melodie.
Du lobst dein Kind und unterstützt es in seinen Übungen.
Wenn es anfangs die Noten vertauscht oder die Töne sich seltsam anhören, ist das nicht schlimm für dich, du weißt ja, dass es mit steter Übung sicherer wird und sich einmal gemachte Fehler nicht festsetzen, wenn man sie in Augenschein nimmt und bewusst übt.
Diese deine Überzeugung überträgt sich auf dein Kind.
Das weißt du, niemals würdest du erwarten, dass es in einem Monat in der Royal Carnegie Hall auftritt.

Wenn dein Kind eine Sportart erlernt, freust du dich über jeden Fortschritt, den es macht.
Du lobst dein Kind und unterstützt es in seinen Übungen.
Wenn es anfangs keine fließenden Bewegungen hat, wenn es sich ungeschickt anstellt, ist das nicht schlimm für dich. Du weißt ja, dass es mit steter Übung sicherer wird und sich einmal gemachte Fehler nicht festsetzen, wenn man sie in Augenschein nimmt und bewusst übt.
Diese deine Überzeugung überträgt sich auf dein Kind.
Das weißt du, niemals würdest du erwarten, dass es an den nächsten olympischen Spielen teilnimmt.

Wenn dein Kind beginnt zu schreiben, bist du entsetzt über die Fehler, die das Kind macht.
Du sagst deinem Kind, dass es alles, aber auch alles falsch schreibt und bist wütend auf die Lehrerin. Denn du bist dir absolut sicher, ein einmal falsch geschriebenes Wort hat sich so und nur so ins Gedächtnis des Kindes eingebrannt und wird niemals wieder gelöscht werden können. Du hast Angst, dass dein Kind nie sicher rechtschriftlich korrekte Texte wird schreiben können.
Diese deine Überzeugung überträgt sich auf dein Kind.
Das blendest du aus und zeigst deinem Kind, dass es entweder richtig oder gar nicht zu schreiben hat.

So, liebe Lesende, erlebe ich gerade die Diskussion um das Erlernen des Schreibens und deswegen möchte ich – wie ich es auf den Elternabenden auch mache – darlegen, wie der Schreib-Unterricht bei mir und bei vielen (ich glaube, den meisten) Kolleginnen in der Grundschule abläuft.

Zunächst:
Der Deutschunterricht in der ersten Klasse ist vielschichtig, den Bereich des Sprechens und Zuhörens und den Bereich des Lesens möchte ich hier ausklammern.
Desweiteren:
Ich will hier keine konzeptvergleichende Hausarbeit mit Fußnoten und Zitaten schreiben. Ich will werben für ein entspanntes Zugesestehen von Lernprozessen – auch in der Rechtschreibung.

Denn was dein Kind da im Schreibunterricht der ersten Monate leistet, ist Schwerstarbeit und die Freude des Kindes über seine ersten Erfolge mit einem „das ist alles falsch und unleserlich“ plattzuhauen ist nicht nur fahrlässig, sondern verletzend und demotivierend.

Buchstaben
Der Schreibunterricht beinhaltet die Erarbeitung der Laute, die durch unsere Buchstaben präsentiert werden.
Wir benennen die Buchstaben im ersten Schuljahr nicht so, wie wir es tun, wenn wir das Alphabet aufsagen, sondern mit seinem Laut.
Eine Buchstabenübersicht erhalten die Kinder durch die sogenannte Anlauttabelle – zu jedem Laut gibt es ein Bild, zum M die Maus, zum Au das Auto, zum St den Stern und so weiter. Abhängig vom gewählten Lehrwerk sehen die Anlauttabellen unterschiedlich aus.
Durch diese Tabelle stehen den Kindern schon sehr früh alle Buchstaben zum Lesen und Schreiben zur Verfügung.
Es wird aber auch jeder Buchstabe intensiv geübt, das Erkennen dieses Buchstabens, das bewegungsrichtige Schreiben, das genaue Abhören von Wörtern und das Schreiben und Lesen von Wörtern, die sich aus den bisher behandelten Buchstaben ergeben. Diese Übungen finden mit allen Sinnen statt, werden mit Geschichten, Gedichten, Liedern verbunden. Mir persönlich ist es wichtig, zu jedem Buchstaben auch eine Gebärde einzuführen.
Diese Buchstabenerarbeitung erfolgt zunächst mit allen im Gleichschritt, aber schon bald erarbeiten die Kinder die Buchstaben in ihrem eigenen Tempo.
Die Kinder sollen Buchstabensicherheit erhalten und durch nicht überfordernde Übungen an das Lesen und Schreiben herangeführt werden.

Schreiben
Da Erstklässler einen natürlichen Schreibdrang haben und sich schriftlich ausdrücken möchten, bekommen sie Schreibanlässe geboten. Impulse, zu denen sie einfach losschreiben können. Das können Phantasiereisen, Bildbetrachtungen, eigene Erlebnisse oder Briefe sein. Immer wieder aber sind es auch einfache Bilder, neben die die Kinder die passenden Wörter schreiben.
Dieses Schreiben erfolgt durch das ganz genaue, langsame Sprechen der Worte, das genaue Hinhören und das Abbilden der gehörten Laute mit Buchstaben. Hier kommt die Anlauttabelle zum Tragen und hilft den Kindern bei der Suche nach den richtigen Buchstaben.
Hier sehe ich als Lehrerin, auf welcher Stufe der Schreibentwicklung die Kinder stehen, hier an einem Beispiel erläutert:
Die einen schaffen es, einen Buchstaben pro Wort zu hören und richtig aufzuschreiben. (L)
Die nächsten finden das Wortskelett – die meisten Konsonanten, oft aber noch keine Vokale.  (LKMTF)
Weitere Kinder hören schon richtig gut hin und bilden alle Laute weitgehend sicher ab. (LOGOMOTIFE)
Die nächsten wiederum entwickeln schon Rechtschreibgespür und achten auf Feinheiten. (Lokomotiwe oder sogar Lokomotive)
Alle Kinder wissen beim Schreiben immer um das Angebot des Nachfragens:
Habe ich alle Buchstaben?
Ist das richtig geschrieben?
Alle Kinder wissen immer um mein Angebot, das Wort in „Erwachsenenschrift“(rechtschriftlich korrekt) darunter zu schreiben und ihnen zu erläutern, warum es so geschrieben wird.

Rechtschreiben
Zusätzlich zu diesen Schreibanlässen wird aber auch Rechtschreibung geübt, bzw. darüber gesprochen.
Vokale werden mit intensiven Übungen verbunden, das kurze und das lange Klingen voneinander zu unterscheiden. Nur wenn ich weiß, dass das „e“ auch kurz klingen kann, höre ich es in „Ente“.
Silben sind ganz wichtig, Wörter werden in Silben durchgliedert. Bald wird auch klar, dass jede Silbe einen „Silbenkönig“ beinhaltet, einen Vokal. Ich kann dem Kind also sagen: Sprich‘ das Wort in Silben, und finde zunächst die Silbenkönige.
Wenn ich diese Fähigkeit bei allen Kinder am Ende der ersten Klasse erreicht habe, freue ich mich. Für einige ist das zu diesem Zeitpunkt das maximal Leistbare.
Es wird noch mehr im ersten Schuljahr thematisiert und intensiv mit verschiedenen Aufgaben geübt:
Großschreibung von Nomen, also allem, was ich anfassen kann und von Namen (Abstrakta kommen erst im zweiten Schuljahr).
Die Laute St, Sp, Sch oder auch ch, ch (Buch – Bücher)  werden genau betrachtet und Wörter analysiert.
Das „-er“ am Wortende, das sich oft genug wie ein „a“ anhört.
Auslautverhärtungen mit der Verlängerung überprüfen. (Ich höre „Hunt“, bei „Hunde“ jedoch ist das „d“ eindeutig zu hören.)
Vorsilben, die immer gleich geschrieben werden.

Fazit
Die Kinder schreiben nicht Ewigkeiten so, wie sie sprechen, nein.
Die Kinder lernen Rechtschreibung.
Aber die Kinder brauchen Zeit und Hilfe. Hilfe, die ihrem Leistungsstand angemessen ist.
Ständige Frustrationserlebnisse und negative Kommentare derer, die man liebt (in diesem Falle die Eltern) ziehen die Kinder herunter und nehmen den Boden, eine vernünftiges Rechtschreibgespür und -wissen zu erlernen.

Zum Schluss noch eines…
Was möchten die Gegner des lautgetrauen Schreibens denn?
Das frage ich mich oft.
Für mich heißt das: Du darfst nur schreiben, was du mit absoluter Sicherheit richtig schreiben kannst.
Herzlichen Dank, dann dürften 99% der Bevölkerung also nicht oder nur eingeschränkt schreiben?
Ich war vor bald 20 Jahren als Praktikantin an einer Schule, für diese Gegner wäre das dort die wahre Wonne gewesen, ein Paradies:
Alle Kinder sind im Gleichschritt marschiert. Ein Kind hatte ein wenig vorgearbeitet in einer Arbeitsphase, ich hatte gedacht, das sei in Ordnung, es war fit. Die Lehrerin hat die ganze Seite ausradiert und übel geschimpft.
Ein anderes Kind sagte zu mir (es war im Mai) „Ich heiße Jenny, aber ich kann meinen Namen noch nicht schreiben.“
Ich: „???“
Sie: „Wir haben das Y vielleicht erst nach den Sommerferien, vorher darf ich meinen Namen nicht schreiben.“

Zum Lernen gehören Fehler dazu.
Aus Fehlern lernt man, wenn man sie reflektiert.
Zum Lernen gehört Handwerkszeug.
Das erlernt man schrittweise nacheinander und beherrscht es nicht vom ersten Atemzug an.
Ich würde mir wünschen, dass man dies dem Lernen der Rechtschreibung auch zugesteht.

Der Jahreswechsel aus Kindersicht

Mit dem Sohn im Bett herumgammelnd unterhielten wir uns über diesen letzten Tag des Jahres und den Jahreswechsel.
Er hatte eine sehr plastische Beschreibung seiner Wahrnehmung, die möchte ich teilen.

Das Jahr 2017 ist eine Kiste.
In ihr ist alles drin, was man erlebt hat.
Morgen kommt die Kiste für 2018. Die ist noch leer.
Die Kiste von 2018 steht dann neben der Kiste von 2017 und schiebt sie ein Stück zur Seite.
Die Kiste von 2017 schiebt die von 2016 ein Stück weiter und die wiederum die von 2015.
So geht das immer weiter bis zum Jahr, in dem man zur Welt gekommen ist.
Jedes Jahr schieben sich alle Kisten ein Stück nach hinten.
Die Kisten stehen in einer langen Reihe in einem wunderschönen Raum, der nur für die Kisten da ist.

Mir gefiel das.
Mit diesen Kisten ist es wie mit Umzugskisten, die auf dem Dachboden stehen. Bei jeder Kiste weiß man von ein paar Dingen, die darinnen sind, möchte sie niemals missen oder gar wegschmeißen.
Von anderen Dingen weiß man, dass sie in den Kisten sind, je höher aber die Entfernung zur aktuellen Kiste, desto unwichtiger werden sie.
Bei vielen Dingen hat man vergessen, dass sie in den Kisten sind.
Ab und an packt man mal eine Kiste aus und sieht sich die Dinge genauer an, lächelt oder seufzt oder weint gar. Aber dann kann man die Kiste wieder packen und in ihre Reihe stellen.

Die aktuelle Kiste ist die wichtigste, ihrer sollte man sich bewusst sein und sie bewusst füllen.
Und vielleicht schafft man es, kleine Abteilungen einzurichten, so dass man die schönen Dinge obenauf und schnell greifbar hat.

Meine eigenen Raunächte

„Zwischen den Jahren“, die Tage zwischen Heilig Abend und Silvester sind besondere Tage für mich.
Die Zeit hält ein wenig inne in diesen Tagen.

In dieser letzten Woche des Jahres führe ich keine To-Do-Listen, das ist bemerkenswert für mich. Das Bulletjournal des Jahres hat diese Doppel-Seite nicht. Wir leben in den Tag hinein und erledigen, was erledigt werden muss  – weil wir es möchten. Das hat vorzugsweise mit Essen, gut-gehen-Lassen und Sozialkontakten zu tun.

Es ist Zeit, zurückzublicken.
Bei einem Glas Wein oder einer Tasse Tee blättere ich in meinem Tagebuch und lasse das Jahr noch einmal an mir vorbeiziehen. Ein einfacher Kalender ist es, eine Woche – eine Seite. Nur kurz notiere ich abends, was geschehen ist. Nicht an jedem Abend und selten in ganzen Sätzen. Diese Gedankenfetzen helfen mir, das Jahr noch einmal zu sehen, seine nicht so schönen Zeiten,  die vorübergegangen sind, die ich überstanden habe und seine schönen Zeiten, derer ich mich dankbar erinnere.

Das alte Jahr wird ins Museum geräumt. Einige Dinge werden im Archiv verstaut – ich weiß, sie sind da, aber ich muss sie nicht ständig sehen. Einige bekommen einen Platz weit vorne in der Erinnerung, innere Lächel-Bilder, die ich gern und oft wieder herauskrame.

Das neue Jahr trägt noch einen Vorhang. Hier und da wird er ein bisschen hochgeweht, gibt den Blick auf einen Urlaub frei, auf ein Konzert, besondere Erlebnisse, die ihre leuchtenden Schatten schon werfen.
Im Öffnen des Vorhanges während der nächsten zwölf Monate werden aber auch unschöne Dinge zu sehen sein, Dinge, die zehren und mich herunterziehen werden.

Es bleibt die Hoffnung, der Wunsch, das Gebet, dass ich auch im nächsten Jahr während meiner persönlichen Raunächte mit einer Tasse Tee und meinem Tagebuch hier sitzen und sehen kann, dass die schlechten Zeiten vorübergehen, ich sie – an ihnen wachsend – überstanden habe und dass ich auf viele wunderschöne Lächel-Momente zurückblicken kann, die mein kleines Lebensarchiv beleuchten.

ein tweet ein wort

Damit habe ich ja was angefangen. Es war eigentlich nur ein Scherz, der dann wie eine ???-Telefon-Lawine ins Rollen kam. Nun, zumindest für meine Twitter-RT-Fav-Zahlen-Verhältnisse.
Und ich fürchte, ich werde zu denen gehören, die nichts zu sagen haben, weil sie es nicht in einem Wort fassen können.

Hier die Regeln für den morgigen Tag.

Pro Tweet sendest du nur ein Wort.
Verwende einen Tag lang keine emojis
Fotos sind gern gesehen und werden mit einem Wort kommentiert.
Der Hashtag „eintweeteinwort“ kann natürlich immer zusätzlich angehängt werden, das muss aber nicht sein.

Ausnahmen:
Im Laufe der Tage kamen Ausnahmen-Wünsche auf.
Reimbattle-Teilnehmer sollen bitte reimbatteln, was das Zeug hält.
Wer seine Drei-guten-Dinge-des-Tags loswerden möchte, tut dies bitte.
Die black-and-white-photo-challenge-Teilnehmer müssen ja eh‘ was posten.

Und:
Jedem ihn sein Twitter, wie er sich das man machen möchte, also auch
jedem ihn sein eintweeteinwort.

Ich freue mich über alle, die mitmachen.

mein Nein

Auf Twitter wurde ich es los und konnte es damit ein wenig loslassen.
Es bewegt mich jedoch noch, wie sehr mich dieses Nein-Sagen und die damit verbundenen Gefühle mitgenommen und fast den ganzen Tag begleitet haben.

Mein Nein ist sehr berechtigt und mehrfach begründet.
Aber es zieht Konsequenzen nach sich.
Konsequenzen, für die ich nicht verantwortlich bin.
Hätte man mich früher gefragt, hätte man es anders kommuniziert, hätte man es direkt kommuniziert und nicht dritte fragen lassen… ich hätte wohl Ja gesagt. Weil es eine gute und wichtige Sache ist.
Konsequenzen, für die ich nicht verantwortlich bin.
Sagt der Kopf.
„Wenn du nicht mitmachst, ist die Sache weniger rund.“, sagt das Herz.
„Das könntest du ja wohl tun – für die Kinder.“, sagt das liebe kleine Charlottchen.

Dieses harmoniebedürftige, brave, immer funktionierende, zu allem leicht zu überredende innere Kind brachte mich dazu, mein Nein in aller Ausführlichkeit zu begründen und ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ein schlechtes Gewissen habe ich auch, weil jetzt jemand gefragt wird, die nicht Nein sagen kann und es machen wird, obwohl sie schon am Limit läuft.

Das hat mich in eine Anspannung gebracht, die sich an falscher Stelle entlud und mich einschränkte in meinem Tagesablauf.
Aus der Anspannung wurde Wut. Wut auf mich, die sich rechtfertigt, Wut auf die schon länger anstrengende Art der Kommunikation und Aufgabenverteilung.
Aus der Wut wurde wieder nur Anspannung.
Aus der Anspannung wurde Kopfschütteln.
Aus dem Kopfschütteln wurde Lächeln.

Lächeln, weil ich Nein gesagt habe.
Lächeln, weil ich meine Gründe für das Nein genannt und es durchgezogen habe.
Lächeln, weil ich mal nicht jedem gefallen wollte, sondern das Risiko eingehe, dass andere enttäuscht sind von mir.
Lächeln, weil ich auf mich geachtet und mein Gleichgewicht geschützt habe.

Kleine Schritte gehen. Nacheinander.
Irgendwann kann ich berechtigt Nein sagen und nicht angespannt sein.
Ich vertraue mir, dass ich den Weg weiter gehe.