Musik – aber bitte nur schön

Ich bin irritiert.
Ich bin irritiert, wenn ich Aussagen von einigen Eltern höre, die über musizierende Kinder sprechen.
Sehr irritiert, weil ich sie nicht verstehe.

Musik ist etwas Schönes.
Musik ist etwas Besonderes.
Musik macht etwas mit mir.
Musik ist Genuss.
Jemand, der sein Instrument beherrscht, die Musik mit dem Körper lebt, hat meine vollste Bewunderung.

Bis jemand so weit ist, dass andere seine Musik genießen können, dauert es.
Das ist nun einmal so.
Viele Minuten und Stunden des Übens, der Misstöne, des holzig-Klingens, des Gefühls, das Stück sperre sich, angemessen gespielt zu werden.

Und gerade diese Zeit des Übens und Wachsens scheint viele Eltern total zu nerven.
Das ist das Irritierende für mich.

Alle sagen gern „mein Kind spielt Klavier oder Geige oder hastdunichtgesehen“.
Alle würden gern sagen: „Mein Kind hat einen Preis gewonnen, wurde auserkoren, in einem Orchester zu spielen oder sonst etwas stolz machendes.“
Einige von denen sagen: „Ich kann dieses Gequietsche und diese ständigen Wiederholungen nicht ausstehen!“
Einige tun dies in epischer Breite und in Anwesenheit des Kindes.
Das irritiert mich und manchmal macht es mich wütend.
Mein Argument „Um etwas zu können, muss man es üben.“ wird weggewischt mit „Aber doch nicht so nervig!“

Oder so etwas: „Ich habe meinem Kind gesagt: Du darfst alle Instrumente spielen, nur nicht Geige, Horn oder Schlagzeug, am besten Keyboard, da kann man Kopfhörer anschließen.“

Die Krönung war eine Mutter, die ich aus Kinderturnenzeiten kenne.
Ich traf sie neulich vor der Musikschule, wir unterhielten uns. Als sie hörte, dass der Sohn und ich Schüler dort sind, rief sie geschockt aus: „Oh mein Gott! Dein Sohn Schlagzeug und du Klavier! Wie gut, dass ihr nicht unsere Nachbarn seid!“
Auch das ließ mich äußerst irritiert zurück.

Was ist das für ein Blick auf das Kind, auf seine Entwicklung?
Welchen Stellenwert hat das Reifen der Persönlichkeit des Kindes, wenn man ihm unter die Nase reibt, dass dieser Aspekt jetzt schon ziemlich nervt?

Diese Irritation hält an.
Aber ich weiß, dass das nur wenige Eltern sind.
Die meisten Eltern, die ich kenne, unterstützen ihr Kind und ertragen es gern, dass es übt und freuen sich über Fortschritte.
Danke an diese Eltern.
Machen wir weiter so und tragen die Musik unserer Kinder im Herzen.

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