Gefühlskater

 

 

Dieser Begriff schlich mir in die Gedanken, schwer und tropfend schlich er sich ein.

Die Zeit zuvor hatte ich auf einer Gefühlswelle zugebracht. Diese Welle nahm mich mit, Zeit zum Durchatmen blieb keine.

Da gab es Anlässe zum Feiern, die Fragen und aufwühlende Gedanken mit sich führten.
Wie lange werden wir noch mit dieser Person feiern können?
Wie wird die nächste Feier mit dieser Person sich gestalten?
Wo wird der Weg diesen jungen Menschen hinführen?
In diesen Fragen bekam ich das eigene Voranschreiten auf den Wegen des Lebens vor Augen geführt.
Eine neue Situation in der Herkunftsfamilie, die ihre eigenen Wege des Umgangs fordert – Wege, die noch nicht beschritten sind und Neuland für alle darstellen.

Schließlich dann aufwühlende Tage im Kollegium, eine Situation, die Gefühlswellen unterschiedlicher Art hochpeitschte.
Mein Wunsch, diesen Wellen angemessen-kollegial zu begegnen und doch selber auch meine Fassungslosigkeit und Enttäuschung wahrzunehmen und meinen Gefühlen Ausdruck geben zu können.

Diese Wellen überrollten mich nicht, aber sie nahmen mich mit, unweigerlich und in ihrer eigenen Dynamik.
Ich nahm meine so verschiedenen intensiven Gefühle deutlich wahr, kommunizierte sie, ließ sie zu und wusste, es werden bald schon ausgeglichenere Zeiten kommen.

Die Welle ebbte ab, beruhigte sich zu einem angenehmen Plätschern.
Zurück blieb dieser Gefühlskater, der mich auf der Schulter sitzend begleitete.
Er machte mich dumpf und müde, gefühlsmüde. Ermattet schaute ich mir selbst beim Durchschreiten des Tages zu, wusste aber: Morgen wird es besser, die hohen Wellen sind einem schönen, überschaubaren Wellengang gewichen.

Vorerst zumindest.

Weitere Gefühlswellen werden kommen, manchmal schier endlos aneinandergereiht.
Weitere Gefühlskater werden kommen und mich die Welt für eine kurze Zeit wie durch Watte betrachten lassen.

Das ist gut so, denn ein Leben ohne Gefühle wäre kein Leben.

 

 

Schulreife – Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist das der Schulreife.
Im Grunde ist das wohl inzwischen ein Begriff, der weg kann, es müssen halt alle, die in einem gewissen Zeitraum geboren wurden, zur Schule.
Punkt.

Ihr könnt es Euch denken: Ich finde das nicht gut.
Früher, ja früher in meinen ersten Jahren als Lehrerin, da lag der Stichtag viel früher im Jahr und es gab einen Schulkindergarten.
Kinder, die zwar das Alter für den Schulbesuch hatten, aus irgendeinem Grunde aber als noch nicht „reif“ für Schule galten, besuchten den ein Jahr lang. Eine kleinere Lerngruppe, die von einer Sozialpädagogin (natürlich meine ich hier auch den Sozialpädagogen) betreut wurde, ließ die Basis für den Schulbesuch nachreifen. Die Motorik, die Selbstwahrnehmung – emotional und körperlich, die ganzen Wahrnehmungsbereiche, die für das Lernen wichtig sind, die Frustrationstoleranz. Ganz nebenbei gingen die Kinder schon zur Schule und teilten die Pausen mit den Schulkindern. Sie wuchsen langsam heran und herein in Schule. In den allermeisten Fällen verlief der Start im ersten Schuljahr dann auch gut bis problemlos.

Dann wurden die Schulkindergärten abgeschafft, die Stunden der Sozialpädagogen auf die Schulen verteilt und sukzessive der Stichtag zum Ende des Monats September verschoben.
Herzlichen Glückwunsch! Bildungspolitisch ein ganz großes Eigentor und ein rücksichtsloser Frevel gegenüber allen Kindern, die sonst den Schulkindergartenkinder gewesen wären.

Jetzt werden diese Kinder eingeschult, sind unsicher, haben womöglich schon ein schlechtes Selbstkonzept, wollen und sollen im Ablauf der ersten Klasse funktionieren und sind doch zumindest in einem Bereich komplett überfordert.
Die Sozialpädagogen sind ein- bis zwei Schulstunden pro Woche mit in der Klasse – haben dann aber auch die anderen Kinder im Blick, die in irgendeiner Weise Unterstützung brauchen. Mit etwas Glück haben die Kinder ein- bis zwei weitere Stunden pro Woche Kleingruppenförderung bei der Sozialpädagogin.
*Ironieschalter an* Das wiegt natürlich den Schulkindergarten und eine spätere Einschulung voll auf. *Ironieschalter aus*

Der gewollte Weg ist das Verbleiben in der Schuleingangsphase für ein weiteres Jahr. Will heißen: Das Kind geht irgendwann im Laufe des zweiten Schuljahres in das erste Schuljahr zurück, bzw. es wiederholt das zweite Schuljahr komplett.
Dann ist das Kind mit seinem Selbstkonzept als Lerner aber schon mit ziemlich lautem Plumps in den Brunnen gefallen und die Eltern womöglich gleich mit.

Warum?
Warum ist das Wohl der Kinder und Familien so unwichtig?
Warum lässt man einen Teil der Kinder sehenden Auges ins Unglück rennen?
Warum gibt man Kindern nicht ihre Zeit zu reifen?

Mit diesen Fragen bleibe ich zurück, bleiben Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen zurück und müssen sich der Aufgabe stellen und versuchen, gemeinsam zum Wohle des Kindes das Beste daraus zu machen.