schlafschafgedanken

„und nu‘?“, fragt das eine schlafschaf.
hm?„, fragt das andere schlafschaf.
„nun, der spot ist an. wir stehen im rampenlicht.“
das tun wir seit mehr als zwei jahren.
„ja, aber nur in einem kleinen tweetkasten. diese bühne ist größer.“
ach.
„was, ach?“
die fressen doch auch alle nur gras.
„schon gut, aber trotzdem: sie gucken.“
dann mal los.
„weißt du….? manchmal frage ich mich ja schon, warum wir das hier machen.“
wir sind halt so passiert.
„meinst du, es gab uns nicht schon vorher?“
in der gedankenschatzkiste, die tief in der seele vergraben ist gab es uns bestimmt.
„wie jetzt?“
wir leben in einem kopf und aus ihm heraus.“
„wir leben in einem stall, in unserem schlafschafstall.“
aber der existiert im kopf.
„unser stall steht auf einer wunderschönen wiese mit bäumen und einem bach.“
auch der eine kopfsache.
„und unser schlafschafwächter?“
ein sehnen nach dem umkümmert werden und dem behütet sein.
„brauchen die menschen das?“
ja.
„warum?“
diese sehnsucht trägt jeder in sich.
„und wenn sie von unserem umkümmert werden lesen, freuen sie sich?“
vielleicht. ja.
„aber der schlafschafwächter kommt nicht jeden tag…..“
nein, wir sind groß und leben und sind glücklich, wir kümmern uns ganz oft selbst gut um uns. dann schaut der schlafschafwächter vielleicht zu, aber er muss nichts machen.
„was ist mit dem sommerwieseträumeland? auch nur eine kopfsache, ich weiß, aber warum ist es nicht ein winterwunderland?“
weil der kopf, der uns denkt, die sonne und die wärme liebt.
„wären wir in einem anderen kopf, wären wir anders?“
bestimmt.
„jeder kopf, jede seele ist anders?“
ja.
„und jeder möchte lächeln?“
ja, so oft wie möglich.
„aber was den kopf und die seele lächeln lässt, ist bei jedem anders?“
ja.
„und deswegen sind wir so, wie wir sind, in diesem kopf, wie er ist und deswegen sind wir gut, solange wir sind?“, fragt das eine schlafschaf.
ich glaube, jetzt hast du’s.“, lächelt das andere schlafschaf.

Mein Traumalied

Trauma.
Nicht Traum.
Ich habe ein Traumalied.

Viele Jahre war ich ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Kirchgemeinde und sehr häufig für die nicht-Orgel-Teile der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste zuständig.
Häufig spontan und häufig in Situationen, die meine Schamesgrenze deutlich ankratzten.
Das schlimmste Erlebnis drängt sich dieser Tage wieder nach vorne im Kopf und grinst mich unverschämt an.

Im Vorfeld der Osterplanungen wurde mir einmal eine Entlastung von diesem steten Einsatz mit Gitarre und Stimme in Aussicht gestellt. Eine neue Mitarbeiterin und ihr Freund wollten die Gitarrenbegleitung und das (Vor-)Singen im Ostergottesdienst übernehmen.
Meine Aufgabe war lediglich, mit anderen kurz vor Ende des Gottesdienstes in den Garten zu huschen und Eier zu verstecken.
Endlich mal nicht vorne stehen, die Rampensau geben müssen.
Endlich mal einfach den Gottesdienst genießen können.
Ich freute mich sehr.

Vor Beginn des Gottesdienstes dann die Nachricht, dass die junge Frau krank sei, nicht kommen könnte. Aber ihr Freund sei da. Er würde Gitarre spielen, ich müsste ihn bei dem Lied, das vorgetragen werde nur stimmlich unterstützen.
Natürlich lächelte ich ihn freundlich an, sagte, dass ich das selbstverständlich machen würde.
Wir zogen uns in den Keller zurück, um das Lied einmal zu proben.

Er: „Wir singen ‚Stups, der kleine Osterhase‘.“
Ich: „Das kenne ich nicht, hast du Noten?“
Er: „Nein, nur die Gitarrenakkorde.“
Ich: „Gut, dann musst du es mir vorsingen und ich versuche, reinzukommen.“
(Anmerkung: Ich kann ohne Noten quasi kein Lied lernen, mein Gedächtnis befindet sich an dieser Stelle im Dauerstreik. Aber: Noch war ich wohlgemut.)
Er: „Ich fange an.“
Ich (aufmunternd nickend): „Mach‘ mal, sobald ich mich sicherer fühle, singe ich mit.“
Er schlug einen Takt auf der Gitarre holte tief Luft, sah mich an, nickte und


spielte weiter.
Es kam kein Ton aus seinem Mund.
Ich: „Du, ich kenne das Lied gar nicht und nur mit dem Text kann ich mir die Melodie nicht erschließen.“
Er lächelte, nickte, spielte einen Takt auf der Gitarre vor, holte tief Luft und


spielte Gitarre.
Es kam kein Ton aus seinem Mund.

Er: „Du singst ja gar nicht.“
Ich (inzwischen verkrampft lächelnd): „Ja, weil ich darauf warte, dass du mir dieses Lied vorsingst.“
Er: „Komm, wir singen das noch einmal.“

Diese Szene wiederholte sich ein paar mal mit immer verkrampfterem Lächeln meinerseits, bis wir zum Gottesdienst mussten.
Der Pastor kam uns entgegen: „Und?“
Ich wollte ansetzen, dass wir das wohl sausen lassen müssen, da der Mann an der Gitarre zwar meint, dass er singt, dies aber ohne Ton tut und ich das Lied ohne Noten so nicht lernen kann.
Der Mann an der Gitarre kam mir zuvor: „Ja, super, das wird ganz toll. Wir machen das!“
Pastor freute sich, drehte ab, die Orgel brauste, ich bekam eine Panikattacke nach der anderen.
Irgendwann wurden wir angekündigt.
Wir schritten nach vorn.
Der Mann an der Gitarre setzte sich hin, schlug einen Takt auf der Gitarre holte tief Luft, sah mich an, nickte und


spielte weiter.
Es kam kein Ton aus seinem Mund.
Ich entließ irgendwelche Töne aus meinem Munde, eine Mischung zwischen missglückter Melodie und versuchtem Rap.
Ein Gesangssolo im Ostergottesdienst, das wohl bis heute seinesgleichen sucht in dieser Gemeinde.

Auch die stressigsten Momente sind irgendwann zu Ende.
Unter höflichem Applaus schlich ich an meinen Platz, begleitet von einem stolzen Mann mit Gitarre, der mir begeistert zuraunte: „Das haben wir ganz toll gemacht, oder?“

Tobias, sei froh, dass ich so ein friedliebender Mensch bin, ansonsten hätte ich dir Muppet-mäßig deine Gitarre über den Kopf gezogen.

So kann es gehen.
Er verließ die Kirche an diesem Tag einen Kopf größer, weil er so einen grandiosen Auftritt mit Gitarre und Luftgesang hingelegt hat.
Ich verließ die Kirche an diesem Tag um einen Kopf kleiner und um ein Traumalied reicher.

Später bekam ich irgendwann die Noten zu diesem Lied in die Hand.
Ich könnte es inzwischen singen.
Ich tue es aber nicht.
Niemals.

Der lange Weg des Ankommens

Du hast eine Familie.
Kinder, die du über alles liebst.
Es gab Zeiten eines zufriedenen Lebens.
Jetzt herrscht in deinem Land Krieg.
Du hast schon Menschen sterben sehen, geliebte Angehörige an diesen Krieg verloren.
Du hast Angst um deine Familie.
Du beschließt, alle Ersparnisse zu nehmen und dich auf den Weg zu machen.
Mit deiner Familie.
Du bist mit deiner Familie auf der Flucht.
Ihr seht Dinge, die niemand sehen möchte.
Ihr erlebt Dinge, von denen niemand auch nur träumt, dass er einmal erleben könnte.
Ihr steht Ängste aus, die euch fast das Herz zerreißen.
Du versuchst, deinen Kindern alles zu erklären, warum sie das mitmachen müssen und von der Hoffnung zu sprechen, die ihr habt.
Ihr kommt an.
Ihr haust zunächst mit vielen anderen in einer großen Unterkunft.
Ihr bekommt einen Wohnort zugewiesen.
Ihr habt eine Wohnung, eine spärliche Einrichtung, Kleidung zum Wechseln, Geld für Essen.
Ihr lebt in Frieden.
Ihr atmet auf.
Der so lange gehetzte Körper kommt zur Ruhe, der Geist noch lange nicht.
Du schickst deine Kinder in den Kindergarten, die Schule.
Du hoffst, dass sie gut ankommen in diesem Land, das nun auch ihr Land ist.
Du merkst, dass die Kinder die neue Sprache schnell lernen und freust dich.
Du merkst aber auch, dass sie in vielen Dingen Hilfe benötigen, die du ihnen nicht geben kannst.
Du lernst diese schwere Sprache bei weitem nicht so schnell.
Die Formulare, die Briefe, die Aushänge, alles ist nur mühsam und ansatzweise verständlich.
Du spürst diese Blicke der Menschen in der Nachbarschaft, der anderen Eltern, beim Einkaufen, überall.
Du spürst, dass der Umgang mit dir manchmal schwierig ist für Kollegen, Erzieherinnen, Lehrerinnen, die Leute vom Sozial- und Arbeitsamt – die Sprache, deine kulturelle Unwissenheit.
Du gibst alles und merkst, dass auch dies nicht genug ist.
Du bist angekommen und benötigst doch noch lange zum Ankommen.

Bild: pixabay.com

 

Selbstbildkorrektur

Jahrelang trug ich es mit mir herum, dieses Selbstbild der Perfektionistin, die zuviel von allem macht und sich dadurch negativem Stress aussetzt.
Sorgend, dass es mich irgendwann den Kopf, zumindest aber die Gesundheit kosten würde.

Längere Zeit, ich weiß nicht wie lange, war es still um diese Gedanken.

In einem Gespräch am Freitag fiel dieses Wort „Perfektionismus“ in einem ganz anderen Kontext.

Mein Kopf nahm es anscheinend auf und kaute es durch am Wochenende…
… um mir heute morgen zu sagen…

Du bist gar nicht perfektionistisch.
Nicht mehr.
Du kannst fünfe gerade sein lassen.
Du musst dich nicht sofort auf jede sms, mail, auf jeden Anruf melden.
Du kannst dein Kind bitten, dich mal eine halbe Stunde in Ruhe zu lassen.
Du musst dich und dein Kind nicht wegen der ganzen eigentlich täglich fälligen Übereien unter Druck setzen – mit Geduld und Spucke gebt ihr euer Bestes und das ist genug.
Du hast nicht den perfekt gesäuberten Haushalt und es stört dich meistens nicht.
Du bemühst dich, guten Unterricht zu machen und eine gute Klassenlehrerin und Kollegin zu sein, ja. Du weißt aber auch, wo deine Grenzen sind und sagst nein oder „das reicht jetzt so“.

Diese Ansprache an mein Selbst hinterließ ein Lächeln, ein sonnenbreites Lächeln.

Es gilt vielleicht zu ergründen, wie dieser Wandel gekommen ist, vorerst aber genieße ich den Zustand.

 

Rechtschreibung

Du liebst dein Kind über alles.
Du möchtest, dass dein Kind glücklich und selbstbewusst ist.
Du möchtest, dass das Kind Zutrauen in seine Fähigkeiten hat.

Wenn dein Kind die ersten zaghaften Schritte wagt, freust du dich.
Du lobst dein Kind unterstützt es in seinen Übungen.
Wenn es anfangs über seine Füße stolpert, ist das nicht schlimm für dich, du weißt ja, dass es mit steter Übung sicherer wird und sich Fehler im Bewegungsablauf nicht festsetzen, sondern mit der intrinsisch motivierten Übungen verschwinden.
Diese deine Überzeugung überträgt sich auf dein Kind.
Das weißt du, niemals würdest du bei diesen zaghaften Schritten schon die Teilnahme für den nächsten Marathon in zwei Wochen ausfüllen.

Wenn dein Kind ein Instrument erlernt, freust du dich über jeden Ton, jede kleine Melodie.
Du lobst dein Kind und unterstützt es in seinen Übungen.
Wenn es anfangs die Noten vertauscht oder die Töne sich seltsam anhören, ist das nicht schlimm für dich, du weißt ja, dass es mit steter Übung sicherer wird und sich einmal gemachte Fehler nicht festsetzen, wenn man sie in Augenschein nimmt und bewusst übt.
Diese deine Überzeugung überträgt sich auf dein Kind.
Das weißt du, niemals würdest du erwarten, dass es in einem Monat in der Royal Carnegie Hall auftritt.

Wenn dein Kind eine Sportart erlernt, freust du dich über jeden Fortschritt, den es macht.
Du lobst dein Kind und unterstützt es in seinen Übungen.
Wenn es anfangs keine fließenden Bewegungen hat, wenn es sich ungeschickt anstellt, ist das nicht schlimm für dich. Du weißt ja, dass es mit steter Übung sicherer wird und sich einmal gemachte Fehler nicht festsetzen, wenn man sie in Augenschein nimmt und bewusst übt.
Diese deine Überzeugung überträgt sich auf dein Kind.
Das weißt du, niemals würdest du erwarten, dass es an den nächsten olympischen Spielen teilnimmt.

Wenn dein Kind beginnt zu schreiben, bist du entsetzt über die Fehler, die das Kind macht.
Du sagst deinem Kind, dass es alles, aber auch alles falsch schreibt und bist wütend auf die Lehrerin. Denn du bist dir absolut sicher, ein einmal falsch geschriebenes Wort hat sich so und nur so ins Gedächtnis des Kindes eingebrannt und wird niemals wieder gelöscht werden können. Du hast Angst, dass dein Kind nie sicher rechtschriftlich korrekte Texte wird schreiben können.
Diese deine Überzeugung überträgt sich auf dein Kind.
Das blendest du aus und zeigst deinem Kind, dass es entweder richtig oder gar nicht zu schreiben hat.

So, liebe Lesende, erlebe ich gerade die Diskussion um das Erlernen des Schreibens und deswegen möchte ich – wie ich es auf den Elternabenden auch mache – darlegen, wie der Schreib-Unterricht bei mir und bei vielen (ich glaube, den meisten) Kolleginnen in der Grundschule abläuft.

Zunächst:
Der Deutschunterricht in der ersten Klasse ist vielschichtig, den Bereich des Sprechens und Zuhörens und den Bereich des Lesens möchte ich hier ausklammern.
Desweiteren:
Ich will hier keine konzeptvergleichende Hausarbeit mit Fußnoten und Zitaten schreiben. Ich will werben für ein entspanntes Zugesestehen von Lernprozessen – auch in der Rechtschreibung.

Denn was dein Kind da im Schreibunterricht der ersten Monate leistet, ist Schwerstarbeit und die Freude des Kindes über seine ersten Erfolge mit einem „das ist alles falsch und unleserlich“ plattzuhauen ist nicht nur fahrlässig, sondern verletzend und demotivierend.

Buchstaben
Der Schreibunterricht beinhaltet die Erarbeitung der Laute, die durch unsere Buchstaben präsentiert werden.
Wir benennen die Buchstaben im ersten Schuljahr nicht so, wie wir es tun, wenn wir das Alphabet aufsagen, sondern mit seinem Laut.
Eine Buchstabenübersicht erhalten die Kinder durch die sogenannte Anlauttabelle – zu jedem Laut gibt es ein Bild, zum M die Maus, zum Au das Auto, zum St den Stern und so weiter. Abhängig vom gewählten Lehrwerk sehen die Anlauttabellen unterschiedlich aus.
Durch diese Tabelle stehen den Kindern schon sehr früh alle Buchstaben zum Lesen und Schreiben zur Verfügung.
Es wird aber auch jeder Buchstabe intensiv geübt, das Erkennen dieses Buchstabens, das bewegungsrichtige Schreiben, das genaue Abhören von Wörtern und das Schreiben und Lesen von Wörtern, die sich aus den bisher behandelten Buchstaben ergeben. Diese Übungen finden mit allen Sinnen statt, werden mit Geschichten, Gedichten, Liedern verbunden. Mir persönlich ist es wichtig, zu jedem Buchstaben auch eine Gebärde einzuführen.
Diese Buchstabenerarbeitung erfolgt zunächst mit allen im Gleichschritt, aber schon bald erarbeiten die Kinder die Buchstaben in ihrem eigenen Tempo.
Die Kinder sollen Buchstabensicherheit erhalten und durch nicht überfordernde Übungen an das Lesen und Schreiben herangeführt werden.

Schreiben
Da Erstklässler einen natürlichen Schreibdrang haben und sich schriftlich ausdrücken möchten, bekommen sie Schreibanlässe geboten. Impulse, zu denen sie einfach losschreiben können. Das können Phantasiereisen, Bildbetrachtungen, eigene Erlebnisse oder Briefe sein. Immer wieder aber sind es auch einfache Bilder, neben die die Kinder die passenden Wörter schreiben.
Dieses Schreiben erfolgt durch das ganz genaue, langsame Sprechen der Worte, das genaue Hinhören und das Abbilden der gehörten Laute mit Buchstaben. Hier kommt die Anlauttabelle zum Tragen und hilft den Kindern bei der Suche nach den richtigen Buchstaben.
Hier sehe ich als Lehrerin, auf welcher Stufe der Schreibentwicklung die Kinder stehen, hier an einem Beispiel erläutert:
Die einen schaffen es, einen Buchstaben pro Wort zu hören und richtig aufzuschreiben. (L)
Die nächsten finden das Wortskelett – die meisten Konsonanten, oft aber noch keine Vokale.  (LKMTF)
Weitere Kinder hören schon richtig gut hin und bilden alle Laute weitgehend sicher ab. (LOGOMOTIFE)
Die nächsten wiederum entwickeln schon Rechtschreibgespür und achten auf Feinheiten. (Lokomotiwe oder sogar Lokomotive)
Alle Kinder wissen beim Schreiben immer um das Angebot des Nachfragens:
Habe ich alle Buchstaben?
Ist das richtig geschrieben?
Alle Kinder wissen immer um mein Angebot, das Wort in „Erwachsenenschrift“(rechtschriftlich korrekt) darunter zu schreiben und ihnen zu erläutern, warum es so geschrieben wird.

Rechtschreiben
Zusätzlich zu diesen Schreibanlässen wird aber auch Rechtschreibung geübt, bzw. darüber gesprochen.
Vokale werden mit intensiven Übungen verbunden, das kurze und das lange Klingen voneinander zu unterscheiden. Nur wenn ich weiß, dass das „e“ auch kurz klingen kann, höre ich es in „Ente“.
Silben sind ganz wichtig, Wörter werden in Silben durchgliedert. Bald wird auch klar, dass jede Silbe einen „Silbenkönig“ beinhaltet, einen Vokal. Ich kann dem Kind also sagen: Sprich‘ das Wort in Silben, und finde zunächst die Silbenkönige.
Wenn ich diese Fähigkeit bei allen Kinder am Ende der ersten Klasse erreicht habe, freue ich mich. Für einige ist das zu diesem Zeitpunkt das maximal Leistbare.
Es wird noch mehr im ersten Schuljahr thematisiert und intensiv mit verschiedenen Aufgaben geübt:
Großschreibung von Nomen, also allem, was ich anfassen kann und von Namen (Abstrakta kommen erst im zweiten Schuljahr).
Die Laute St, Sp, Sch oder auch ch, ch (Buch – Bücher)  werden genau betrachtet und Wörter analysiert.
Das „-er“ am Wortende, das sich oft genug wie ein „a“ anhört.
Auslautverhärtungen mit der Verlängerung überprüfen. (Ich höre „Hunt“, bei „Hunde“ jedoch ist das „d“ eindeutig zu hören.)
Vorsilben, die immer gleich geschrieben werden.

Fazit
Die Kinder schreiben nicht Ewigkeiten so, wie sie sprechen, nein.
Die Kinder lernen Rechtschreibung.
Aber die Kinder brauchen Zeit und Hilfe. Hilfe, die ihrem Leistungsstand angemessen ist.
Ständige Frustrationserlebnisse und negative Kommentare derer, die man liebt (in diesem Falle die Eltern) ziehen die Kinder herunter und nehmen den Boden, eine vernünftiges Rechtschreibgespür und -wissen zu erlernen.

Zum Schluss noch eines…
Was möchten die Gegner des lautgetrauen Schreibens denn?
Das frage ich mich oft.
Für mich heißt das: Du darfst nur schreiben, was du mit absoluter Sicherheit richtig schreiben kannst.
Herzlichen Dank, dann dürften 99% der Bevölkerung also nicht oder nur eingeschränkt schreiben?
Ich war vor bald 20 Jahren als Praktikantin an einer Schule, für diese Gegner wäre das dort die wahre Wonne gewesen, ein Paradies:
Alle Kinder sind im Gleichschritt marschiert. Ein Kind hatte ein wenig vorgearbeitet in einer Arbeitsphase, ich hatte gedacht, das sei in Ordnung, es war fit. Die Lehrerin hat die ganze Seite ausradiert und übel geschimpft.
Ein anderes Kind sagte zu mir (es war im Mai) „Ich heiße Jenny, aber ich kann meinen Namen noch nicht schreiben.“
Ich: „???“
Sie: „Wir haben das Y vielleicht erst nach den Sommerferien, vorher darf ich meinen Namen nicht schreiben.“

Zum Lernen gehören Fehler dazu.
Aus Fehlern lernt man, wenn man sie reflektiert.
Zum Lernen gehört Handwerkszeug.
Das erlernt man schrittweise nacheinander und beherrscht es nicht vom ersten Atemzug an.
Ich würde mir wünschen, dass man dies dem Lernen der Rechtschreibung auch zugesteht.