Abschied

Bald steht er wieder für mich an.
Der Abschied von den Viertklässlern.
Vier Jahre hat man die meisten Kinder begleitet – sie sich entwickeln sehen und hier und da hoffentlich auch Einfluss genommen.
Zur Einschulung waren wir alle sehr aufgeregt, Zahnlücken machten das Lächeln putzig, die Schultüte war fast zu groß zum Tragen, bei einigen hatte man das Gefühl, dass sie beim kleinsten Windhauch vom Ranzen zu Boden gezogen werden, wie ein Käfer auf dem Rücken zappelnd.

Ich habe ihnen geholfen, anzukommen im System Schule, sie beobachtet, geführt, zugehört, liebgewonnen, getröstet, gepuckert, ihnen vorgelesen, ihnen die Grundlagen des Lesens-Schreibens-Rechnens, des Lernens und Zusammenarbeitens-auch-wenn-man-sich-nicht-mag beigebracht.
Rituale begleiteten unseren Schulalltag, allem voran das Singen und das Vorlesen.

Je älter sie wurden, desto mehr formte sich eine Klassengemeinschaft und desto mehr war es möglich, mit ihnen gemeinsam zu scherzen und zu lachen.

Oft brachten sie mich zum Staunen, oft auch zum Seufzen, häufig zum Lachen und noch viel häufiger zum Lächeln.

Federn habe ich auch gelassen, die Anzahl der grauen Haare nahm zu. An einigen Kindern und Eltern biss ich mir die Zähne aus und musste das dann irgendwann als gegeben hinnehmen.

Die Elternarbeit war oft zielführend, die Kommunikation von Wertschätzung geprägt, im Großen und Ganzen hat das mit dem an-einem-Strang-Ziehen geklappt. Dafür bin ich dankbar, sehr dankbar.

Jetzt sind wir alle ein richtig gut eingespieltes Team, die Kinder sind selbstständiger geworden, sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst.

Jetzt muss ich sie ziehen lassen, im Vertrauen darauf, dass sie schon ihren Weg machen werden in den größeren Systemen der weiterführenden Schulen.

Ein Abschied, der an dieser Stelle genau richtig ist, aber trotzdem ein bisschen wehtut.
Es werden sicher Tränen fließen, aber das ist auch in Ordnung – so zeigt man seine Wertschätzung.

Für die Kinder geht ein Lebensabschnitt zu Ende, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Sie sind wieder die Kleinen, die erst einmal im neuen System ankommen müssen.

Für mich beginnt nach dem Abschied eine neue Etappe – eine neue Truppe zahnlückenbewehrter, piepsstimmiger Erstklässler wartet dann auf mich und das Karussell dreht sich mit neuer Besatzung von neuem und wird neue Erfahrungen mit sich bringen.

2 Gedanken zu „Abschied“

  1. Vier Jahre die gleiche Klasse? Hier wird immer nach zwei Jahren gewechselt. Und ich denke, dass beide Varianten Für und Wider haben.
    Schöner Text.
    Gute Schlusszeit mit den Großen.

    1. Dankeschön, lieber Kai!
      Ja, es gibt Vor- und Nachteile bei beiden Konzepten. Wir achten aber auf mehr Fachlehrerunterricht auch in einem Hauptfach ab Klasse 3.

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