nicht-gedicht

leider kann ich nicht dichten.
könnte ich es, ich dichtete ein sommergedicht.
ein sommergedicht, das die stimmung warmer sonnentage einfängt.
sonnentage ohne alltagswolken.
sonnentage, an denen himmelsblau und naturgrün sich zu wohligen bildern vereinen.
sonnentage, die von den klängen des vielstimmigen vogelchores ummalt werden.
sonnentage, die sich leicht-locker-luftig anfühlen.
sonnentage, an denen die haut und die seele gewärmt werden.
sonnentage, die ein lächeln in die nacht tragen.
sonnentage, die man sich in kalt-dunklen winternächten herbeisehnt.
sonnentage, an die man in kalt-dunklen winternächten denken wird. leider kann ich nicht dichten.
ich dichte kein sommergedicht.
ich genieße den sonnentag.

Gefühlskater

 

 

Dieser Begriff schlich mir in die Gedanken, schwer und tropfend schlich er sich ein.

Die Zeit zuvor hatte ich auf einer Gefühlswelle zugebracht. Diese Welle nahm mich mit, Zeit zum Durchatmen blieb keine.

Da gab es Anlässe zum Feiern, die Fragen und aufwühlende Gedanken mit sich führten.
Wie lange werden wir noch mit dieser Person feiern können?
Wie wird die nächste Feier mit dieser Person sich gestalten?
Wo wird der Weg diesen jungen Menschen hinführen?
In diesen Fragen bekam ich das eigene Voranschreiten auf den Wegen des Lebens vor Augen geführt.
Eine neue Situation in der Herkunftsfamilie, die ihre eigenen Wege des Umgangs fordert – Wege, die noch nicht beschritten sind und Neuland für alle darstellen.

Schließlich dann aufwühlende Tage im Kollegium, eine Situation, die Gefühlswellen unterschiedlicher Art hochpeitschte.
Mein Wunsch, diesen Wellen angemessen-kollegial zu begegnen und doch selber auch meine Fassungslosigkeit und Enttäuschung wahrzunehmen und meinen Gefühlen Ausdruck geben zu können.

Diese Wellen überrollten mich nicht, aber sie nahmen mich mit, unweigerlich und in ihrer eigenen Dynamik.
Ich nahm meine so verschiedenen intensiven Gefühle deutlich wahr, kommunizierte sie, ließ sie zu und wusste, es werden bald schon ausgeglichenere Zeiten kommen.

Die Welle ebbte ab, beruhigte sich zu einem angenehmen Plätschern.
Zurück blieb dieser Gefühlskater, der mich auf der Schulter sitzend begleitete.
Er machte mich dumpf und müde, gefühlsmüde. Ermattet schaute ich mir selbst beim Durchschreiten des Tages zu, wusste aber: Morgen wird es besser, die hohen Wellen sind einem schönen, überschaubaren Wellengang gewichen.

Vorerst zumindest.

Weitere Gefühlswellen werden kommen, manchmal schier endlos aneinandergereiht.
Weitere Gefühlskater werden kommen und mich die Welt für eine kurze Zeit wie durch Watte betrachten lassen.

Das ist gut so, denn ein Leben ohne Gefühle wäre kein Leben.

 

 

Schulreife – Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist das der Schulreife.
Im Grunde ist das wohl inzwischen ein Begriff, der weg kann, es müssen halt alle, die in einem gewissen Zeitraum geboren wurden, zur Schule.
Punkt.

Ihr könnt es Euch denken: Ich finde das nicht gut.
Früher, ja früher in meinen ersten Jahren als Lehrerin, da lag der Stichtag viel früher im Jahr und es gab einen Schulkindergarten.
Kinder, die zwar das Alter für den Schulbesuch hatten, aus irgendeinem Grunde aber als noch nicht „reif“ für Schule galten, besuchten den ein Jahr lang. Eine kleinere Lerngruppe, die von einer Sozialpädagogin (natürlich meine ich hier auch den Sozialpädagogen) betreut wurde, ließ die Basis für den Schulbesuch nachreifen. Die Motorik, die Selbstwahrnehmung – emotional und körperlich, die ganzen Wahrnehmungsbereiche, die für das Lernen wichtig sind, die Frustrationstoleranz. Ganz nebenbei gingen die Kinder schon zur Schule und teilten die Pausen mit den Schulkindern. Sie wuchsen langsam heran und herein in Schule. In den allermeisten Fällen verlief der Start im ersten Schuljahr dann auch gut bis problemlos.

Dann wurden die Schulkindergärten abgeschafft, die Stunden der Sozialpädagogen auf die Schulen verteilt und sukzessive der Stichtag zum Ende des Monats September verschoben.
Herzlichen Glückwunsch! Bildungspolitisch ein ganz großes Eigentor und ein rücksichtsloser Frevel gegenüber allen Kindern, die sonst den Schulkindergartenkinder gewesen wären.

Jetzt werden diese Kinder eingeschult, sind unsicher, haben womöglich schon ein schlechtes Selbstkonzept, wollen und sollen im Ablauf der ersten Klasse funktionieren und sind doch zumindest in einem Bereich komplett überfordert.
Die Sozialpädagogen sind ein- bis zwei Schulstunden pro Woche mit in der Klasse – haben dann aber auch die anderen Kinder im Blick, die in irgendeiner Weise Unterstützung brauchen. Mit etwas Glück haben die Kinder ein- bis zwei weitere Stunden pro Woche Kleingruppenförderung bei der Sozialpädagogin.
*Ironieschalter an* Das wiegt natürlich den Schulkindergarten und eine spätere Einschulung voll auf. *Ironieschalter aus*

Der gewollte Weg ist das Verbleiben in der Schuleingangsphase für ein weiteres Jahr. Will heißen: Das Kind geht irgendwann im Laufe des zweiten Schuljahres in das erste Schuljahr zurück, bzw. es wiederholt das zweite Schuljahr komplett.
Dann ist das Kind mit seinem Selbstkonzept als Lerner aber schon mit ziemlich lautem Plumps in den Brunnen gefallen und die Eltern womöglich gleich mit.

Warum?
Warum ist das Wohl der Kinder und Familien so unwichtig?
Warum lässt man einen Teil der Kinder sehenden Auges ins Unglück rennen?
Warum gibt man Kindern nicht ihre Zeit zu reifen?

Mit diesen Fragen bleibe ich zurück, bleiben Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen zurück und müssen sich der Aufgabe stellen und versuchen, gemeinsam zum Wohle des Kindes das Beste daraus zu machen.

 

Abschied

Bald steht er wieder für mich an.
Der Abschied von den Viertklässlern.
Vier Jahre hat man die meisten Kinder begleitet – sie sich entwickeln sehen und hier und da hoffentlich auch Einfluss genommen.
Zur Einschulung waren wir alle sehr aufgeregt, Zahnlücken machten das Lächeln putzig, die Schultüte war fast zu groß zum Tragen, bei einigen hatte man das Gefühl, dass sie beim kleinsten Windhauch vom Ranzen zu Boden gezogen werden, wie ein Käfer auf dem Rücken zappelnd.

Ich habe ihnen geholfen, anzukommen im System Schule, sie beobachtet, geführt, zugehört, liebgewonnen, getröstet, gepuckert, ihnen vorgelesen, ihnen die Grundlagen des Lesens-Schreibens-Rechnens, des Lernens und Zusammenarbeitens-auch-wenn-man-sich-nicht-mag beigebracht.
Rituale begleiteten unseren Schulalltag, allem voran das Singen und das Vorlesen.

Je älter sie wurden, desto mehr formte sich eine Klassengemeinschaft und desto mehr war es möglich, mit ihnen gemeinsam zu scherzen und zu lachen.

Oft brachten sie mich zum Staunen, oft auch zum Seufzen, häufig zum Lachen und noch viel häufiger zum Lächeln.

Federn habe ich auch gelassen, die Anzahl der grauen Haare nahm zu. An einigen Kindern und Eltern biss ich mir die Zähne aus und musste das dann irgendwann als gegeben hinnehmen.

Die Elternarbeit war oft zielführend, die Kommunikation von Wertschätzung geprägt, im Großen und Ganzen hat das mit dem an-einem-Strang-Ziehen geklappt. Dafür bin ich dankbar, sehr dankbar.

Jetzt sind wir alle ein richtig gut eingespieltes Team, die Kinder sind selbstständiger geworden, sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst.

Jetzt muss ich sie ziehen lassen, im Vertrauen darauf, dass sie schon ihren Weg machen werden in den größeren Systemen der weiterführenden Schulen.

Ein Abschied, der an dieser Stelle genau richtig ist, aber trotzdem ein bisschen wehtut.
Es werden sicher Tränen fließen, aber das ist auch in Ordnung – so zeigt man seine Wertschätzung.

Für die Kinder geht ein Lebensabschnitt zu Ende, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Sie sind wieder die Kleinen, die erst einmal im neuen System ankommen müssen.

Für mich beginnt nach dem Abschied eine neue Etappe – eine neue Truppe zahnlückenbewehrter, piepsstimmiger Erstklässler wartet dann auf mich und das Karussell dreht sich mit neuer Besatzung von neuem und wird neue Erfahrungen mit sich bringen.

Meeressehnsucht

Das Sein am Meer als Entspannung, Erdung, in-sich-selbst-Ankommen.
Es geht nicht nur mir so, das habe ich spätestens mit Twitter gelernt.
Aber warum geht es mir so?
Die Familien-Reisen als Kind führten mich selten ans Meer, immer in die Berge – zum Wandern. Die Sache mit der Konditionierung seit Kindertagen entfällt also bei mir.
Der Blick auf das Meer ist weit, Grenzen sind nicht zu erkennen. Man weiß, hinter diesem Horizont geht es weiter mit dem Wasserwasserwasserwasser.
Ein Wind weht immer am Meer, zumindest an den norddeutschen Küsten. Es ist ein irgendwie spezieller Wind, der trübe Gedanken wegpustet.
Manchmal, beim Spazierengehen, sagt der Sohn „Das ist ein Wind wie an der See.“ und meistens fühlt sich das für mich auch so an.
Diese Salzluft macht auch etwas mit mir, sie riecht nach Entspannung, nach wegtragen-Lassen.
Das Rauschen von Wellen, kleinen und großen, beruhigt und stellt eine schöne Hintergrundmusik dar. Sehr große Wellen beeindrucken und schüchtern ein, aber sie haben in ihrem gewaltigen, unnachgiebigen Auflaufen auch etwas Schönes.
Abgesehen von schön-anstrengenden Klassenfahrten war ich immer nur mit mir nahe stehenden, wichtigen Menschen am Meer. Man hatte Zeit für Gespräche, Scherzen, Lachen, Spielen. Auch so etwas klinkt sich nach und nach in den roten Faden ein.
Meine Erfahrungen mit Meer haben mit Entspannung, Gedankentrudeleien, Urlaub, Zeit für Familie, Sozialkontaktpflege und Bücher zu tun. Positive emotionale Zustände, die man sich häufig herbeiwünscht.
Die Sinne werden am Meer anders angesprochen, man nimmt sich Zeit, sich anders ansprechen zu lassen als im Alltag.
Diese Meeressehnsucht lässt sich also ganz logisch erklären.

Aber wisst Ihr was: Das „warum“ ist egal.
Ich freue mich auf unseren Urlaub am Meer im Sommer und sehne dieses Im-Jetzt-Sein schon sehr herbei.