Meeressehnsucht

Das Sein am Meer als Entspannung, Erdung, in-sich-selbst-Ankommen.
Es geht nicht nur mir so, das habe ich spätestens mit Twitter gelernt.
Aber warum geht es mir so?
Die Familien-Reisen als Kind führten mich selten ans Meer, immer in die Berge – zum Wandern. Die Sache mit der Konditionierung seit Kindertagen entfällt also bei mir.
Der Blick auf das Meer ist weit, Grenzen sind nicht zu erkennen. Man weiß, hinter diesem Horizont geht es weiter mit dem Wasserwasserwasserwasser.
Ein Wind weht immer am Meer, zumindest an den norddeutschen Küsten. Es ist ein irgendwie spezieller Wind, der trübe Gedanken wegpustet.
Manchmal, beim Spazierengehen, sagt der Sohn „Das ist ein Wind wie an der See.“ und meistens fühlt sich das für mich auch so an.
Diese Salzluft macht auch etwas mit mir, sie riecht nach Entspannung, nach wegtragen-Lassen.
Das Rauschen von Wellen, kleinen und großen, beruhigt und stellt eine schöne Hintergrundmusik dar. Sehr große Wellen beeindrucken und schüchtern ein, aber sie haben in ihrem gewaltigen, unnachgiebigen Auflaufen auch etwas Schönes.
Abgesehen von schön-anstrengenden Klassenfahrten war ich immer nur mit mir nahe stehenden, wichtigen Menschen am Meer. Man hatte Zeit für Gespräche, Scherzen, Lachen, Spielen. Auch so etwas klinkt sich nach und nach in den roten Faden ein.
Meine Erfahrungen mit Meer haben mit Entspannung, Gedankentrudeleien, Urlaub, Zeit für Familie, Sozialkontaktpflege und Bücher zu tun. Positive emotionale Zustände, die man sich häufig herbeiwünscht.
Die Sinne werden am Meer anders angesprochen, man nimmt sich Zeit, sich anders ansprechen zu lassen als im Alltag.
Diese Meeressehnsucht lässt sich also ganz logisch erklären.

Aber wisst Ihr was: Das „warum“ ist egal.
Ich freue mich auf unseren Urlaub am Meer im Sommer und sehne dieses Im-Jetzt-Sein schon sehr herbei.

Dem Kind einen Namen geben

Hat man den Entschluss gefasst, einen Blog anzulegen und zu füllen, hat man gleich die erste Hürde zu bewältigen: Wie soll das Kind heißen?
Der Name soll ein Fensterchen zum Inhalt öffnen, neugierig machen, nicht abschrecken, nicht zu lang sein, nicht zu platt, nicht zu niedlich… puh.
Also holte ich Blatt und Stift und schrieb darauf los. Ungeordnet flossen Worte aufs Papier. Einige wurden fast sofort wieder verworfen – alle die, die zu sehr auf Schule oder auf Mama-Sein abzielen. Denn ich bin nicht nur Mutter und Lehrerin, ich bin ja auch ich.
Eine Richtung kristallisierte sich heraus, in die es gehen könnte. Erste Namen fielen mir ein. Ich bemühte Google und wurde enttäuscht. Natürlich gab es die alle schon. Wer im Jahre 2017 mit dem Bloggen beginnen möchte, der sollte nicht erwarten, dass er da etwas vollkommen innovatives erschafft.
Nun kam mir der Vorsatz zugute, den Blog erst später anzulegen. Ein paar Nächte darüber schlafen, sacken lassen, neue Wörter ins Feld werfen….

Ich äußerte den Namensgedanken bei Twitter und mir wurden jede Menge Ideen geliefert. Ich freute mich sehr über die ganzen charlotte-coffeefee-schlafschaf-schnurpsel-Gedanken von @die Nail oder @der_emils „schafskaffee“ oder „roestgedanken“.
Aber vielleicht werden die Schlafschafe ja irgendwann flügge und wollen dann nicht mehr im Blognamen stehen.
@Schaumhoernchen, deine „vertraulichen Schneeflocken“ fand ich ganz entzückend!
Ich kennt das, das wirkliche tschakka-Gefühl stellte sich noch nicht ein.
Also wieder darüber schlafen und sacken lassen und sich ermahnen, dass man ja nichts überstürzen wollte. Sich selbst ein wenig bremsen, um sich nicht zu enttäuschen.

Dann plumpste dieses Wort in meinen Kopf, woher es kam weiß ich nicht. Es setzte sich fest und nahm mehr und mehr Gestalt an.

Die Gedönserei sollte es werden.

Der Duden sagt zu dem Wort Gedöns:
für den alltäglichen Gebrauch nicht unbedingt notwendige und deshalb als überflüssig erachtete Gegenstände

Ein Blog ist nicht notwendig. die meisten Menschen erachten dieses Geschreibsel im Internet als überflüssig. Und doch ist dieses Geschreibsel – wie Gedöns halt – schön und ganz ohne ist es eben auch blöd.

Hier soll es um das Gedöns in meinem Kopf gehen.
Welches Gedöns eher unbeachtet auf den Dachboden kommt, welches in der Vitrine steht und welches auf dem Esszimmertisch herumliegt und schnell greifbar ist – das wird sich zeigen und macht mich neugierig.

In diesem Sinne starte ich nun mal in die Gedönserei.

P.S. Lieber Emil, ich bin gespannt, was du mit dem Schafskaffee machst.

Twitter ist schuld

Ganz aus dem Nichts kam diese Idee mit dem Blog nicht.
Seit 2015 bin ich auf Twitter unterwegs, habe dort Kontakt zu Menschen aus ganz Deutschland und über seine Grenzen hinaus gefunden. Viele von ihnen mag ich und frage mich, ob alles gut ist, wenn ich ein paar Tage nichts lese von ihnen. Mit einigen hatte ich sehr persönliche Kontakte per Direktnachricht. Ganz wenige habe ich sogar getroffen und das als bereichernde Horizonterweiterung empfunden. Weitere Begegnungen sind nicht ausgeschlossen und machen wenn auch noch ungeplant jetzt schon neugierig.

Bei alledem tauchte immer wieder die Feststellung auf, dass bei manchen Themen die 140 Zeichen nicht reichen und auch ein Spontangeschwafel per Direktnachricht nicht.
Ich stellte fest, dass ich zu manchen Themen etwa zu sagen habe, eine Meinung vertreten möchte, aus meinen Erfahrungen berichten könnte.
Als Mutter eines Sohnes und Grundschullehrerin habe ich Erfahrungen sammeln dürfen, sehr viele Erfahrungen. Gute und nicht so gute, aber aus allen lernte ich.
Mit über vierzig wächst da tatsächlich ein ganz klein wenig der Gedanke, dass meine Reflexionen vielleicht doch gelesen werden könnten.
Eltern sind so viele und Elternsein ist nicht immer rosig.
Lehrerinnen sind nicht ganz so viele, aber wiederum mehr haben eine Meinung dazu. Was uns im Alltag umtreibt und beschäftigt, was wirklich stresst ist immer individuell, dringt aber oft nicht nach außen.

Das Bedürfnis zu teilen wurde in den letzten Monaten größer in mir und ich bin gespannt, ob es mich zum Schreiben bringt oder ob es nur ein gedankliches Strohfeuer ist und als Erfahrung verbucht wird.

anfangen

Anfangen.
Vielleicht sollte ich einfach anfangen.
Dieser Gedanke schoss mir kürzlich in den Kopf und ließ mich nicht los.

Ich – einen Blog?
Ich – die nur manchmal Blogs anderer liest, sich oft nicht die Zeit dafür nehmen mag oder kann?
Ich – die schon immer gut und gerne schwafelte – das will doch niemand lesen.
Ich – die ihre Meinung sehr schnell ändern kann, wenn bisher unbedachte Argumente eingebracht werden.

Viele Fragen, viel Unsicherheiten, viele Unwägbarkeiten.
Und doch dieses innere Drängen nach dem Schreiben.
Andererseits: Geschrieben habe ich immer schon gern.

Schließlich der Entschluss – ich bin halt doch immer noch ich und zögere – es doch erst einmal nur als Textdokument zu tippen, mehrere Texte zu sammeln, bevor man sich später ganz vielleicht entscheidet, einen Blog anzulegen.

Das war vor einer Woche.
Jetzt sitze ich hier und bin ein ganz kleines bisschen sehr aufgeregt.