„Ach komm, ich weiß das doch!“ – Wie mir mein Beruf erklärt wird

Jeder hat eine Schule besucht.
Viele haben ihre Kinder auf dem Weg durch unser Schulsystem begleitet oder begleiten sie noch.
Eine Meinung zu Schule und zu Lehrern haben alle, weil alle Kontakt damit haben oder hatten.
So weit so gut und vollkommen in Ordnung.
Wir sind Menschen und wir nehmen subjektiv wahr und neigen allzu oft auch zur Generalisierung und Stigmatisierung.

Aber:
Einige fühlen sich nicht nur qualifiziert, ihre subjektive Meinung lauthals als generellen Ist-Zustand zu verkünden, sondern auch – siehe Überschrift – zu behaupten, sie wüssten es besser als die anwesenden Lehrerinnen.
Der Renter, der an meinem Schulweg wohnt, zum Beispiel. Die Schulzeit der eigenen Kinder liegt schon eine ganze Weile zurück, die Enkel liegen noch im Kinderwagen.
Unsere Wege kreuzten sich am frühen Nachmittag.
Er: „Na, Feierabend?“
Ich: „Ja, die erste Schicht ist geschafft.“, auf seine hochgezogenen Augenbrauen hin: „Heute Abend geht es dann an den Schreibtisch.“
Er abwinkend: „Ja klar, wer das glaubt, dass Lehrer wirklich noch was am Schreibtisch tun, ts.“
Lächeln und sagen: „Na, wenn Sie meinen, es besser zu wissen…“ und innerlich den Baseballschläger zücken.
Das ist kein Einzelfall. Tatsächlich gibt es eine Steigerung, denn: „Lehrer brauchen gar kein Arbeitszimmer zu Hause, die machen ja nach Schulschluss nichts mehr.“ Das muss man erst mal bringen, das in meinem vollgestopften Arbeitszimmer mit seinen Stapelskulpturen stehend zu bringen – zumal wenn ich die Tür mit Rotstift, Eckenabrunder und Laminiergerät bewaffnet versperren kann.

Es geht mir an dieser Stelle gar nicht darum zu diskutieren, ob ich mehr arbeite als andere oder belasteter bin. Das glaube ich nicht, die Belastungen in jedem Beruf sind andere und auch hier spielt die Subjektivität wieder eine große Rolle.

Mich stört es, dass meine Arbeit abgekanzelt und nicht wertgeschätzt wird.
Mich stört es, dass andere, die niemals auch nur eine Woche als Praktikant in diesem Beruf zugebracht haben, sich ein herablassendes Urteil erlauben über dieses Berufsfeld.
Mich stört es, dass ich von solchen Leuten nicht gebeten werde: „Erzähle doch mal von deinem Beruf, ich kenne nur die Schüler- oder Elternperspektive.“
Mich stört es, dass mir erzählt wird, ich würde Feierabend für den Tag machen, wenn ich mittags nach Hause gehe.
Mich stört es, dass ich mir das überhaupt anhöre, wütend werde und es manchmal noch längere Zeit mit mir herumtrage.

Und wieder das
Aber:
Es gibt natürlich auch die andere Seite.
Solche dummen Abkanzelungen habe ich mir von den Eltern meiner Klassen nicht anzuhören, die scheinen das anders wahrzunehmen.
Diese mir meinen Beruf erklärenden Personen sind deutlich in der Minderheit, sie stechen nur hervor durch die negativen Emotionen, die sie in mir wecken.
Die mir wirklich wichtigen Menschen hören mir zu und fragen nach und würden niemals auf die dumme Idee kommen, so etwas zu sagen.

Wie gehe ich nun damit um?
Vor dem inneren Auge setze ich diese „wissenden Personen“ auf eine Wolke und puste sie weg hinter den nächsten Hügel, sollen sie doch da ihre Meinung abregnen.
Schließlich und vor allem bemühe ich mich, selbst keine Vorurteile gegenüber anderen Berufsgruppen zu pflegen bzw. meine oft sicher vorschnellen Wertungen zu hinterfragen.

2 Gedanken zu „„Ach komm, ich weiß das doch!“ – Wie mir mein Beruf erklärt wird“

  1. Oh ja, das Thema kenne ich von zuhause. Und auch die Debatten, wie extrem unterschiedlich LehrerInnen an der gleichen Schule ihr Engagement dosieren …

    Schön, dass Du wieder gebloggt hast!

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