ein tweet ein wort

Damit habe ich ja was angefangen. Es war eigentlich nur ein Scherz, der dann wie eine ???-Telefon-Lawine ins Rollen kam. Nun, zumindest für meine Twitter-RT-Fav-Zahlen-Verhältnisse.
Und ich fürchte, ich werde zu denen gehören, die nichts zu sagen haben, weil sie es nicht in einem Wort fassen können.

Hier die Regeln für den morgigen Tag.

Pro Tweet sendest du nur ein Wort.
Verwende einen Tag lang keine emojis
Fotos sind gern gesehen und werden mit einem Wort kommentiert.
Der Hashtag „eintweeteinwort“ kann natürlich immer zusätzlich angehängt werden, das muss aber nicht sein.

Ausnahmen:
Im Laufe der Tage kamen Ausnahmen-Wünsche auf.
Reimbattle-Teilnehmer sollen bitte reimbatteln, was das Zeug hält.
Wer seine Drei-guten-Dinge-des-Tags loswerden möchte, tut dies bitte.
Die black-and-white-photo-challenge-Teilnehmer müssen ja eh‘ was posten.

Und:
Jedem ihn sein Twitter, wie er sich das man machen möchte, also auch
jedem ihn sein eintweeteinwort.

Ich freue mich über alle, die mitmachen.

mein Nein

Auf Twitter wurde ich es los und konnte es damit ein wenig loslassen.
Es bewegt mich jedoch noch, wie sehr mich dieses Nein-Sagen und die damit verbundenen Gefühle mitgenommen und fast den ganzen Tag begleitet haben.

Mein Nein ist sehr berechtigt und mehrfach begründet.
Aber es zieht Konsequenzen nach sich.
Konsequenzen, für die ich nicht verantwortlich bin.
Hätte man mich früher gefragt, hätte man es anders kommuniziert, hätte man es direkt kommuniziert und nicht dritte fragen lassen… ich hätte wohl Ja gesagt. Weil es eine gute und wichtige Sache ist.
Konsequenzen, für die ich nicht verantwortlich bin.
Sagt der Kopf.
„Wenn du nicht mitmachst, ist die Sache weniger rund.“, sagt das Herz.
„Das könntest du ja wohl tun – für die Kinder.“, sagt das liebe kleine Charlottchen.

Dieses harmoniebedürftige, brave, immer funktionierende, zu allem leicht zu überredende innere Kind brachte mich dazu, mein Nein in aller Ausführlichkeit zu begründen und ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ein schlechtes Gewissen habe ich auch, weil jetzt jemand gefragt wird, die nicht Nein sagen kann und es machen wird, obwohl sie schon am Limit läuft.

Das hat mich in eine Anspannung gebracht, die sich an falscher Stelle entlud und mich einschränkte in meinem Tagesablauf.
Aus der Anspannung wurde Wut. Wut auf mich, die sich rechtfertigt, Wut auf die schon länger anstrengende Art der Kommunikation und Aufgabenverteilung.
Aus der Wut wurde wieder nur Anspannung.
Aus der Anspannung wurde Kopfschütteln.
Aus dem Kopfschütteln wurde Lächeln.

Lächeln, weil ich Nein gesagt habe.
Lächeln, weil ich meine Gründe für das Nein genannt und es durchgezogen habe.
Lächeln, weil ich mal nicht jedem gefallen wollte, sondern das Risiko eingehe, dass andere enttäuscht sind von mir.
Lächeln, weil ich auf mich geachtet und mein Gleichgewicht geschützt habe.

Kleine Schritte gehen. Nacheinander.
Irgendwann kann ich berechtigt Nein sagen und nicht angespannt sein.
Ich vertraue mir, dass ich den Weg weiter gehe.

 

 

„Ach komm, ich weiß das doch!“ – Wie mir mein Beruf erklärt wird

Jeder hat eine Schule besucht.
Viele haben ihre Kinder auf dem Weg durch unser Schulsystem begleitet oder begleiten sie noch.
Eine Meinung zu Schule und zu Lehrern haben alle, weil alle Kontakt damit haben oder hatten.
So weit so gut und vollkommen in Ordnung.
Wir sind Menschen und wir nehmen subjektiv wahr und neigen allzu oft auch zur Generalisierung und Stigmatisierung.

Aber:
Einige fühlen sich nicht nur qualifiziert, ihre subjektive Meinung lauthals als generellen Ist-Zustand zu verkünden, sondern auch – siehe Überschrift – zu behaupten, sie wüssten es besser als die anwesenden Lehrerinnen.
Der Renter, der an meinem Schulweg wohnt, zum Beispiel. Die Schulzeit der eigenen Kinder liegt schon eine ganze Weile zurück, die Enkel liegen noch im Kinderwagen.
Unsere Wege kreuzten sich am frühen Nachmittag.
Er: „Na, Feierabend?“
Ich: „Ja, die erste Schicht ist geschafft.“, auf seine hochgezogenen Augenbrauen hin: „Heute Abend geht es dann an den Schreibtisch.“
Er abwinkend: „Ja klar, wer das glaubt, dass Lehrer wirklich noch was am Schreibtisch tun, ts.“
Lächeln und sagen: „Na, wenn Sie meinen, es besser zu wissen…“ und innerlich den Baseballschläger zücken.
Das ist kein Einzelfall. Tatsächlich gibt es eine Steigerung, denn: „Lehrer brauchen gar kein Arbeitszimmer zu Hause, die machen ja nach Schulschluss nichts mehr.“ Das muss man erst mal bringen, das in meinem vollgestopften Arbeitszimmer mit seinen Stapelskulpturen stehend zu bringen – zumal wenn ich die Tür mit Rotstift, Eckenabrunder und Laminiergerät bewaffnet versperren kann.

Es geht mir an dieser Stelle gar nicht darum zu diskutieren, ob ich mehr arbeite als andere oder belasteter bin. Das glaube ich nicht, die Belastungen in jedem Beruf sind andere und auch hier spielt die Subjektivität wieder eine große Rolle.

Mich stört es, dass meine Arbeit abgekanzelt und nicht wertgeschätzt wird.
Mich stört es, dass andere, die niemals auch nur eine Woche als Praktikant in diesem Beruf zugebracht haben, sich ein herablassendes Urteil erlauben über dieses Berufsfeld.
Mich stört es, dass ich von solchen Leuten nicht gebeten werde: „Erzähle doch mal von deinem Beruf, ich kenne nur die Schüler- oder Elternperspektive.“
Mich stört es, dass mir erzählt wird, ich würde Feierabend für den Tag machen, wenn ich mittags nach Hause gehe.
Mich stört es, dass ich mir das überhaupt anhöre, wütend werde und es manchmal noch längere Zeit mit mir herumtrage.

Und wieder das
Aber:
Es gibt natürlich auch die andere Seite.
Solche dummen Abkanzelungen habe ich mir von den Eltern meiner Klassen nicht anzuhören, die scheinen das anders wahrzunehmen.
Diese mir meinen Beruf erklärenden Personen sind deutlich in der Minderheit, sie stechen nur hervor durch die negativen Emotionen, die sie in mir wecken.
Die mir wirklich wichtigen Menschen hören mir zu und fragen nach und würden niemals auf die dumme Idee kommen, so etwas zu sagen.

Wie gehe ich nun damit um?
Vor dem inneren Auge setze ich diese „wissenden Personen“ auf eine Wolke und puste sie weg hinter den nächsten Hügel, sollen sie doch da ihre Meinung abregnen.
Schließlich und vor allem bemühe ich mich, selbst keine Vorurteile gegenüber anderen Berufsgruppen zu pflegen bzw. meine oft sicher vorschnellen Wertungen zu hinterfragen.

gewachsen-erwachsene Blicke auf Worte

Tomorrow, and tomorrow, and tomorrow,
Creeps in this petty pace from day to day,
To the last syllable of recorded time;
And all our yesterdays have lighted fools
The way to dusty death. Out, out, brief candle!
Life’s but a walking shadow, a poor player
That struts and frets his hour upon the stage,
And then is heard no more: it is a tale
Told by an idiot, full of sound and fury,
Signifying nothing.
(Macbeth in “ Macbeth“ von W. Shakespeare, Act V, SceneV)

Englisch-Leistungskurs in der Oberstufe. Frau D. zwang uns förmlich, dieses Zitat auswendig zu lernen. Sonst legte sie nie so großen Wert auf so etwas, aber bei diesem Zitat, in dieser Unterrichtseinheit war ihr das extrem wichtig.
Wir taten es, sagten es brav vor dem ganzen Kurs auf, so richtig erschloss sich der Sinn unseren jugendlichen Gemütern damals aber wohl nicht.

Mehr als zwanzig Jahre später habe ich dieses Zitat noch im Kopf und es taucht immer mal wieder auf.
Jede Falte, jedes Zipperlein im Rücken, jedes graue Haar, jede Nachricht von Krankheit und Tod und vor allem jede Trauerfeier oder Beerdigung rufen mir diese doch so wahren Worte wieder ins Gedächtnis.
Ein Verwandter sagte bei der Beerdigung seines Schwiegervaters vor einigen Jahren „Jetzt rücken wir in die erste Reihe vor“, seine Frau hat mit Mitte Fünfzig auch diese bereits hinter sich gelassen, schneller als wir alle dachten.

Wir geben hier im Leben nur ein Gastspiel, bevor wir weg sind. Hoffentlich hinterlassen wir Spuren bei einigen Menschen und leben in deren Herzen weiter, aber auch die beenden ihr Gastspiel irgendwann und dann sind wir bestenfalls nur noch ein Name irgendwo auf irgendwelchen unwichtigen Papieren oder in unlesbaren Dateien.

So dreht sich das Rad seit unzähligen Jahren und so wird es sich noch weiter drehen.
Das ist ein wenig traurig, ein wenig beruhigend und ein wenig beeindruckend.

Ich bin froh und dankbar, dass die Bedeutung dieser Zeilen sich mir erst mit Mitte-Ende zwanzig zu erschließen begann, heißt es doch, dass ich bis dahin keine größeren Katastrophen in meinem Leben zu verarbeiten hatte.

Es liegt an uns, was wir aus unserem Sein auf Erden machen und ob wir dieses Schlaglicht-auf-der-Bühne-des-Lebens-Sein mit Verbitterung oder mit Dankbarkeit betrachten.
Es liegt an uns, wie häufig wir Schauspieler hinter Masken verborgen sind, wie häufig wir funktionierende Marionetten sind und wie häufig wir versuchen, wir selbst zu sein und uns selbst zu spüren.
Eine der größten Aufgaben des Lebens, eine der schwersten Aufgaben des Lebens.

Meine Gedanken zur Bildungsstudie

Es war einmal ein Großgrundbesitzer, der auf einem weiten Feld in seinem Garten einen Brunnen bauen wollte.

Er machte sich an die Planung, war aber so sehr danach bestrebt, schnell an Wasser zu gelangen, dass er sich nur halbherzig die Meinung von Fachleuten einholte. Deren Vorschläge waren zwar schlüssig, in der Umsetzung aber viel zu teuer. Außerdem benötigten sie Zeit. Zeit, die der Großgrundbesitzer nicht hatte, wollte er doch bei der nächsten Grundstücksbegehung durch den Verein der Gartenfreunde zeigen, dass er schnell und effektiv einen sehr guten Brunnen gebaut hat.

Also beschaffte er sich das nötige Gerät. Das Gerät war alt und oft nur mäßig für seine Zwecke einsetzbar, aber das musste reichen. Ein Loch war schnell gebuddelt, die Brunnenwände mit Steinen vom Feldesrand und Einzelsteinen aus verschiedenen Ländern schnell befestigt. Unten goss der Großgrundbesitzer Beton ein, damit das ganze auch über Jahrzehnte unverändert Bestand hat.

Ein Brunnenrand musste her. Dafür war nun wirklich keine Zeit und kein Geld mehr da. Also schlug der Großgrundbesitzer Steine aus der alten Scheune heraus und baute einen kniehohen Ring um seinen Brunnen.
Die Seilwinde erstand er glücklich auf dem Flohmarkt, das bisschen Rost hat noch keinem geschadet. Das Hochziehen des Wassers würde dadurch beschwerlich, aber die Gartenfreunde würden den Brunnen ja nicht im alltäglichen Einsatz sehen und ein bisschen Patina ist bekanntlich schick und angesagt. Die Kette für die Seilwinde war sehr kurz, aber auch das tat der Motivation und Entscheidungsfreude des Großgrundbesitzers keinen Abbruch. Die Eimer schließlich passten optisch und im Zustand perfekt zur Seilwinde.

Der Grußgrundbesitzer war stolz auf seinen Brunnen, von außen besehen sah er richtig schmuck aus und mit den passenden Worten präsentiert lockte es Neidgefühle bei den Gartenfreunden hervor.

Der Gärtner des Großgrundbesitzers sah das ein wenig anders. Im Brunnen fand sich nach verregneten Tagen lediglich ein wenig Wasser. Bei weitem zu wenig, um alle Pflanzen des Großgrundbesitzers ausreichend zu gießen. Außerdem waren die Eimer so löchrig und die Seilwinde so schwer zu bedienen, dass der Gärtner mehr helfende Hände benötigt hätte, allein war das Wasserholen kaum zu bewerkstelligen.

Nach und nach brachte der Großgrundbesitzer immer mehr Pflanzen an, die besonderer Pflege bedurften und sagte herablassend zum Gärtner „Du schaffst das schon, das ist ja schließlich dein Job“. Durch Stürme wurden Pflanzen aus anderen Ländern hinzugetragen und siedelten sich an. Sie waren hübsch anzusehen und trugen optisch positiv zum Gesamtbild bei. Allerdings war der Gärtner nicht angemessen ausgebildet, um diese Pflanzen richtig versorgen zu können und so blieben sie immer ein wenig kleiner, als sie eigentlich hätten sein können.

Die Probleme mit der Wasserversorgung und die Vielfalt der Pflanzen, um die der Gärtner sich kümmern musste, führten dazu, dass der Gärtner nicht mehr ein noch aus wusste und an einigen Stellen weniger sorgfältig arbeitete.

Der Gärtner sprach mit dem Großgrundbesitzer und auch einige Gartenfreunde sprachen mit ihm über diesen Pflegezustand. Der Großgrundbesitzer winkte ab und sagte „In meinem Garten gibt es keine Probleme, der Gärtner muss nur richtig seine Arbeit machen. Ich stelle immer viele Gärtner ein und schaut, das Tor zu meinem Garten sieht doch hübsch aus.“

Nach und nach verkümmerten immer mehr Pflanzen und der Gärtner ging immer gebückter unter der Last seiner Aufgaben.

Eines Tages machte der Verein der Gartenfreunde eine Erhebung zum Pflanzenwachstum und stellte fest, dass die Pflanzen im Garten des Großgrundbesitzers viel zu klein waren und auch irgendwie blass.

Der Großgrundbesitzer reagierte sehr verwundert und meinte, er könne sich dies gar nicht erklären. Er versprach, die Situation zu verbessern. Der Anfang wäre sicher gemacht, wenn man den Brunnen um einen Ring aus buntem Kies erweitere und neben besonders schönen Pflanzen bunte Lichter aufstelle. Außerdem müsse der Gärtner angehalten werden, alle Arbeitsschritte sorgfältig zu dokumentieren und für jede Pflanze ein Pflegekonzept zu erarbeiten.

Der Großgrundbesitzer lehnte sich zurück, setzte seine rosa Brille auf und betrachtete zufrieden sein Werk, während der Gärtner weiter versuchte, jeder Pflanze die für sie optimale Pflege zukommen zu lassen.