Der Jahreswechsel aus Kindersicht

Mit dem Sohn im Bett herumgammelnd unterhielten wir uns über diesen letzten Tag des Jahres und den Jahreswechsel.
Er hatte eine sehr plastische Beschreibung seiner Wahrnehmung, die möchte ich teilen.

Das Jahr 2017 ist eine Kiste.
In ihr ist alles drin, was man erlebt hat.
Morgen kommt die Kiste für 2018. Die ist noch leer.
Die Kiste von 2018 steht dann neben der Kiste von 2017 und schiebt sie ein Stück zur Seite.
Die Kiste von 2017 schiebt die von 2016 ein Stück weiter und die wiederum die von 2015.
So geht das immer weiter bis zum Jahr, in dem man zur Welt gekommen ist.
Jedes Jahr schieben sich alle Kisten ein Stück nach hinten.
Die Kisten stehen in einer langen Reihe in einem wunderschönen Raum, der nur für die Kisten da ist.

Mir gefiel das.
Mit diesen Kisten ist es wie mit Umzugskisten, die auf dem Dachboden stehen. Bei jeder Kiste weiß man von ein paar Dingen, die darinnen sind, möchte sie niemals missen oder gar wegschmeißen.
Von anderen Dingen weiß man, dass sie in den Kisten sind, je höher aber die Entfernung zur aktuellen Kiste, desto unwichtiger werden sie.
Bei vielen Dingen hat man vergessen, dass sie in den Kisten sind.
Ab und an packt man mal eine Kiste aus und sieht sich die Dinge genauer an, lächelt oder seufzt oder weint gar. Aber dann kann man die Kiste wieder packen und in ihre Reihe stellen.

Die aktuelle Kiste ist die wichtigste, ihrer sollte man sich bewusst sein und sie bewusst füllen.
Und vielleicht schafft man es, kleine Abteilungen einzurichten, so dass man die schönen Dinge obenauf und schnell greifbar hat.

Meine eigenen Raunächte

„Zwischen den Jahren“, die Tage zwischen Heilig Abend und Silvester sind besondere Tage für mich.
Die Zeit hält ein wenig inne in diesen Tagen.

In dieser letzten Woche des Jahres führe ich keine To-Do-Listen, das ist bemerkenswert für mich. Das Bulletjournal des Jahres hat diese Doppel-Seite nicht. Wir leben in den Tag hinein und erledigen, was erledigt werden muss  – weil wir es möchten. Das hat vorzugsweise mit Essen, gut-gehen-Lassen und Sozialkontakten zu tun.

Es ist Zeit, zurückzublicken.
Bei einem Glas Wein oder einer Tasse Tee blättere ich in meinem Tagebuch und lasse das Jahr noch einmal an mir vorbeiziehen. Ein einfacher Kalender ist es, eine Woche – eine Seite. Nur kurz notiere ich abends, was geschehen ist. Nicht an jedem Abend und selten in ganzen Sätzen. Diese Gedankenfetzen helfen mir, das Jahr noch einmal zu sehen, seine nicht so schönen Zeiten,  die vorübergegangen sind, die ich überstanden habe und seine schönen Zeiten, derer ich mich dankbar erinnere.

Das alte Jahr wird ins Museum geräumt. Einige Dinge werden im Archiv verstaut – ich weiß, sie sind da, aber ich muss sie nicht ständig sehen. Einige bekommen einen Platz weit vorne in der Erinnerung, innere Lächel-Bilder, die ich gern und oft wieder herauskrame.

Das neue Jahr trägt noch einen Vorhang. Hier und da wird er ein bisschen hochgeweht, gibt den Blick auf einen Urlaub frei, auf ein Konzert, besondere Erlebnisse, die ihre leuchtenden Schatten schon werfen.
Im Öffnen des Vorhanges während der nächsten zwölf Monate werden aber auch unschöne Dinge zu sehen sein, Dinge, die zehren und mich herunterziehen werden.

Es bleibt die Hoffnung, der Wunsch, das Gebet, dass ich auch im nächsten Jahr während meiner persönlichen Raunächte mit einer Tasse Tee und meinem Tagebuch hier sitzen und sehen kann, dass die schlechten Zeiten vorübergehen, ich sie – an ihnen wachsend – überstanden habe und dass ich auf viele wunderschöne Lächel-Momente zurückblicken kann, die mein kleines Lebensarchiv beleuchten.

ein tweet ein wort

Damit habe ich ja was angefangen. Es war eigentlich nur ein Scherz, der dann wie eine ???-Telefon-Lawine ins Rollen kam. Nun, zumindest für meine Twitter-RT-Fav-Zahlen-Verhältnisse.
Und ich fürchte, ich werde zu denen gehören, die nichts zu sagen haben, weil sie es nicht in einem Wort fassen können.

Hier die Regeln für den morgigen Tag.

Pro Tweet sendest du nur ein Wort.
Verwende einen Tag lang keine emojis
Fotos sind gern gesehen und werden mit einem Wort kommentiert.
Der Hashtag „eintweeteinwort“ kann natürlich immer zusätzlich angehängt werden, das muss aber nicht sein.

Ausnahmen:
Im Laufe der Tage kamen Ausnahmen-Wünsche auf.
Reimbattle-Teilnehmer sollen bitte reimbatteln, was das Zeug hält.
Wer seine Drei-guten-Dinge-des-Tags loswerden möchte, tut dies bitte.
Die black-and-white-photo-challenge-Teilnehmer müssen ja eh‘ was posten.

Und:
Jedem ihn sein Twitter, wie er sich das man machen möchte, also auch
jedem ihn sein eintweeteinwort.

Ich freue mich über alle, die mitmachen.

mein Nein

Auf Twitter wurde ich es los und konnte es damit ein wenig loslassen.
Es bewegt mich jedoch noch, wie sehr mich dieses Nein-Sagen und die damit verbundenen Gefühle mitgenommen und fast den ganzen Tag begleitet haben.

Mein Nein ist sehr berechtigt und mehrfach begründet.
Aber es zieht Konsequenzen nach sich.
Konsequenzen, für die ich nicht verantwortlich bin.
Hätte man mich früher gefragt, hätte man es anders kommuniziert, hätte man es direkt kommuniziert und nicht dritte fragen lassen… ich hätte wohl Ja gesagt. Weil es eine gute und wichtige Sache ist.
Konsequenzen, für die ich nicht verantwortlich bin.
Sagt der Kopf.
„Wenn du nicht mitmachst, ist die Sache weniger rund.“, sagt das Herz.
„Das könntest du ja wohl tun – für die Kinder.“, sagt das liebe kleine Charlottchen.

Dieses harmoniebedürftige, brave, immer funktionierende, zu allem leicht zu überredende innere Kind brachte mich dazu, mein Nein in aller Ausführlichkeit zu begründen und ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ein schlechtes Gewissen habe ich auch, weil jetzt jemand gefragt wird, die nicht Nein sagen kann und es machen wird, obwohl sie schon am Limit läuft.

Das hat mich in eine Anspannung gebracht, die sich an falscher Stelle entlud und mich einschränkte in meinem Tagesablauf.
Aus der Anspannung wurde Wut. Wut auf mich, die sich rechtfertigt, Wut auf die schon länger anstrengende Art der Kommunikation und Aufgabenverteilung.
Aus der Wut wurde wieder nur Anspannung.
Aus der Anspannung wurde Kopfschütteln.
Aus dem Kopfschütteln wurde Lächeln.

Lächeln, weil ich Nein gesagt habe.
Lächeln, weil ich meine Gründe für das Nein genannt und es durchgezogen habe.
Lächeln, weil ich mal nicht jedem gefallen wollte, sondern das Risiko eingehe, dass andere enttäuscht sind von mir.
Lächeln, weil ich auf mich geachtet und mein Gleichgewicht geschützt habe.

Kleine Schritte gehen. Nacheinander.
Irgendwann kann ich berechtigt Nein sagen und nicht angespannt sein.
Ich vertraue mir, dass ich den Weg weiter gehe.

 

 

„Ach komm, ich weiß das doch!“ – Wie mir mein Beruf erklärt wird

Jeder hat eine Schule besucht.
Viele haben ihre Kinder auf dem Weg durch unser Schulsystem begleitet oder begleiten sie noch.
Eine Meinung zu Schule und zu Lehrern haben alle, weil alle Kontakt damit haben oder hatten.
So weit so gut und vollkommen in Ordnung.
Wir sind Menschen und wir nehmen subjektiv wahr und neigen allzu oft auch zur Generalisierung und Stigmatisierung.

Aber:
Einige fühlen sich nicht nur qualifiziert, ihre subjektive Meinung lauthals als generellen Ist-Zustand zu verkünden, sondern auch – siehe Überschrift – zu behaupten, sie wüssten es besser als die anwesenden Lehrerinnen.
Der Renter, der an meinem Schulweg wohnt, zum Beispiel. Die Schulzeit der eigenen Kinder liegt schon eine ganze Weile zurück, die Enkel liegen noch im Kinderwagen.
Unsere Wege kreuzten sich am frühen Nachmittag.
Er: „Na, Feierabend?“
Ich: „Ja, die erste Schicht ist geschafft.“, auf seine hochgezogenen Augenbrauen hin: „Heute Abend geht es dann an den Schreibtisch.“
Er abwinkend: „Ja klar, wer das glaubt, dass Lehrer wirklich noch was am Schreibtisch tun, ts.“
Lächeln und sagen: „Na, wenn Sie meinen, es besser zu wissen…“ und innerlich den Baseballschläger zücken.
Das ist kein Einzelfall. Tatsächlich gibt es eine Steigerung, denn: „Lehrer brauchen gar kein Arbeitszimmer zu Hause, die machen ja nach Schulschluss nichts mehr.“ Das muss man erst mal bringen, das in meinem vollgestopften Arbeitszimmer mit seinen Stapelskulpturen stehend zu bringen – zumal wenn ich die Tür mit Rotstift, Eckenabrunder und Laminiergerät bewaffnet versperren kann.

Es geht mir an dieser Stelle gar nicht darum zu diskutieren, ob ich mehr arbeite als andere oder belasteter bin. Das glaube ich nicht, die Belastungen in jedem Beruf sind andere und auch hier spielt die Subjektivität wieder eine große Rolle.

Mich stört es, dass meine Arbeit abgekanzelt und nicht wertgeschätzt wird.
Mich stört es, dass andere, die niemals auch nur eine Woche als Praktikant in diesem Beruf zugebracht haben, sich ein herablassendes Urteil erlauben über dieses Berufsfeld.
Mich stört es, dass ich von solchen Leuten nicht gebeten werde: „Erzähle doch mal von deinem Beruf, ich kenne nur die Schüler- oder Elternperspektive.“
Mich stört es, dass mir erzählt wird, ich würde Feierabend für den Tag machen, wenn ich mittags nach Hause gehe.
Mich stört es, dass ich mir das überhaupt anhöre, wütend werde und es manchmal noch längere Zeit mit mir herumtrage.

Und wieder das
Aber:
Es gibt natürlich auch die andere Seite.
Solche dummen Abkanzelungen habe ich mir von den Eltern meiner Klassen nicht anzuhören, die scheinen das anders wahrzunehmen.
Diese mir meinen Beruf erklärenden Personen sind deutlich in der Minderheit, sie stechen nur hervor durch die negativen Emotionen, die sie in mir wecken.
Die mir wirklich wichtigen Menschen hören mir zu und fragen nach und würden niemals auf die dumme Idee kommen, so etwas zu sagen.

Wie gehe ich nun damit um?
Vor dem inneren Auge setze ich diese „wissenden Personen“ auf eine Wolke und puste sie weg hinter den nächsten Hügel, sollen sie doch da ihre Meinung abregnen.
Schließlich und vor allem bemühe ich mich, selbst keine Vorurteile gegenüber anderen Berufsgruppen zu pflegen bzw. meine oft sicher vorschnellen Wertungen zu hinterfragen.